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🌳 Birnbaum – Holzart im Überblick

(Kulturbirnbaum | Wildbirne | Schweizer Birnbaum | Gedämpfter Birnbaum)

STECKBRIEF

  • Deutscher Name: Kulturbirnbaum (Pyrus communis) und Wildbirne (Pyrus pyraster). Er zählt zu den wertvollsten europäischen Edelhölzern.

  • Botanische Bezeichnung: Pyrus communis – Familie: Rosaceae (Rosengewächse).

  • Verbreitung: Ăśber ganz Europa bis nach Westasien verbreitet. Man findet ihn in Obstgärten, auf Streuobstwiesen und vereinzelt in lichten Laubwäldern.

Der Birnbaum ist das „Präzisionsholz“ des Schreinereihandwerks. Aufgrund seiner extrem feinen, dichten Struktur und seiner Homogenität ist es das bevorzugte Material für feinste Schnitzereien, exklusive Möbel und Messwerkzeuge. Es ist ein Holz, das sich fast wie Elfenbein bearbeiten lässt.

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Herkunft & Arten

In der Holzverarbeitung wird meist zwischen der Wildform und den kultivierten Sorten unterschieden:

  • Wildbirne: Liefert oft das wertvollste Holz, da sie langsamer wächst. Es ist extrem feinjährig, hart und hat eine sehr gleichmäßige Struktur.

  • Kulturbirnbaum: Stammt aus dem Obstanbau. Die Stämme sind meist kĂĽrzer und dicker, die Farbe kann durch verschiedene ZĂĽchtungen leicht variieren.

  • Schweizer Birnbaum: Ein Handelsbegriff fĂĽr besonders hochwertiges, meist gedämpftes Birnbaumholz, das eine gleichmäßige, warme rötliche Färbung aufweist.

Holzbild & Struktur

  • Farbe: Splint- und Kernholz unterscheiden sich farblich kaum.

    • Die Naturfarbe reicht von blassgelb bis rötlich-braun.

    • Gedämpft: Da Birnbaum oft gedämpft wird, um Spannungen abzubauen, nimmt das Holz dabei eine wunderschöne, tiefe fleischrote bis lachsfarbene Tönung an.

  • Jahrringe: Nur sehr schwach erkennbar, was zu einem äuĂźerst ruhigen, schlichten und eleganten Holzbild fĂĽhrt.

  • Poren: Zerstreutporig und so fein, dass sie mit bloĂźem Auge nicht zu erkennen sind.

  • Besonderheiten: Gelegentlich tritt ein dunkler „Falschkern“ auf, der dem Holz eine zusätzliche Charakteristik verleiht.

Verwendung

Wegen seiner Dichte und Formstabilität ist Birnbaum ein Spezialist für feine Arbeiten:

  • Exklusiver Möbelbau: Hochwertige Solitärmöbel, Intarsien und Fronten.

  • Modellbau & Formenbau: Aufgrund der Kantenfestigkeit ideal fĂĽr GieĂźereimodelle.

  • Messwerkzeuge: Traditionell fĂĽr ReiĂźschienen, Winkel und Lineale verwendet.

  • Musikinstrumente: Hochwertige Blockflöten und Zierteile im Klavierbau.

  • Kunsthandwerk: Erstklassiges Holz fĂĽr Bildhauer, Schnitzer und Drechsler.

  • „Deutsches Ebenholz“: Schwarz gebeizt dient Birnbaum oft als täuschend echter Ersatz fĂĽr echtes Ebenholz (z. B. fĂĽr Klaviertasten oder Griffbretter).

Eigenschaften

Birnbaumholz ist schwer, hart, zäh und hat eine sehr hohe Dichte.

Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:

Nicht dauerhaft (Klasse 5). Birnbaum ist anfällig für Pilze und Insekten. Er darf nur im Innenbereich verwendet werden.

Bearbeitung:
  • Hervorragend: Trotz seiner Härte lässt es sich in alle Richtungen (auch quer zur Faser) exzellent schneiden und fräsen, ohne auszureiĂźen.

  • Oberflächen: Nach dem Schleifen entstehen Oberflächen von auĂźergewöhnlicher Glätte und seidigem Glanz. Es lässt sich hervorragend polieren und beizen.

  • Trocknung: Sehr langsam und schwierig. Birnbaum neigt stark zum Werfen und ReiĂźen. Eine sorgfältige, jahrelange Lufttrocknung vor der Kammertrocknung ist ideal.

Tipp: Wie viele dichte Obsthölzer neigt Birnbaum bei stumpfen Werkzeugen zum Brandeln. Achten Sie auf perfekt geschärfte Schneiden.

Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %)0,70–0,75 g/cm³
Druckfestigkeit45–55 N/mm²
Biegefestigkeit90–100 N/mm²
Elastizitätsmodul11 000–13 000 N/mm²
Härte (Brinell, ⊥ zur Faser)30–35 N/mm²
pH-Wert5,2
NatĂĽrliche DauerhaftigkeitKlasse 5 (nach DIN-EN 350-2)

Besonderheiten & Hinweise

  •  Homogenität: Birnbaumholz hat keine ausgeprägten FrĂĽh- oder Spätholzzonen. Das macht es fĂĽr Bildhauer so wertvoll, da das Schnitzmesser in jede Richtung den gleichen Widerstand erfährt.
  • Dämpfen: Fast das gesamte im Handel befindliche Birnbaumholz ist gedämpft. Dies stabilisiert das Holz und gibt ihm die begehrte warme Farbe.

  • Tipp fĂĽr Schreiner: Wenn Sie Birnbaum schwarz beizen („Ebenholz-Imitat“), ziehen die Farbpigmente aufgrund der feinen Poren sehr gleichmäßig ein, was ein perfektes Ergebnis liefert.

Fazit

Der Birnbaum ist das Edelholz für höchste Ansprüche. Wer ein homogenes, hartes Holz für feinste Details sucht, findet in der Birne das ideale Material. Es verlangt dem Schreiner bei der Trocknung Geduld ab, überzeugt aber durch eine haptische und optische Brillanz, die kaum eine andere einheimische Holzart erreicht.

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