Buche – Holzart im Überblick
(Rotbuche | Europäische Buche | Gedämpfte Buche | Kernbuche)
STECKBRIEF
- Deutscher Name: Rotbuche (Fagus sylvatica). Der Name bezieht sich auf den leicht rötlichen Schimmer des Holzes, nicht auf die Blätter (dafür gibt es die Blutbuche). Sie ist der wichtigste Laubbaum in deutschen Wäldern.
- Botanische Bezeichnung: Fagus sylvatica – Familie: Fagaceae
- Verbreitung: Nahezu in ganz Europa heimisch, insbesondere in Mitteleuropa. Sie bevorzugt ein gemäßigtes Klima und gut durchlüftete Böden.
Die Buche ist das Rückgrat der europäischen Holzwirtschaft. Als extrem hartes, zähes und belastbares Laubholz findet sie überall dort Verwendung, wo es auf Stabilität und Verschleißfestigkeit ankommt – vom Möbelbau bis hin zu Werkzeuggriffen.
Herkunft & Arten
Die Gattung Fagus umfasst etwa 10 bis 13 Arten, doch fĂĽr den Schreiner in Europa ist fast ausschlieĂźlich die Rotbuche von Bedeutung.
Rotbuche: Dominierende Art in Europa; liefert das klassische, helle Buchenholz.
Hainbuche (Weißbuche): Botanisch keine echte Buche (gehört zu den Birkengewächsen), ist aber noch härter und wird oft für Hobelsohlen oder Hackblöcke verwendet.
Kernbuche: Keine eigene Art, sondern eine Bezeichnung für ältere Buchen, die im Stamminneren eine dunkle, wolkenartige Verfärbung (den „Rotkern“) aufweisen.
Holzbild & Struktur
Farbe:
Splint & Kern: Die Buche ist ein Reifholzbaum. Splint- und Kernholz haben die gleiche Farbe: blassgelblich bis rötlich-weiß.
Gedämpft: Durch Dämpfen (Hitze + Feuchtigkeit) nimmt das Holz eine gleichmäßige, warme rötliche bis braunrote Färbung an.
Jahrringe: Deutlich erkennbar durch das dunklere Spätholz, was eine dezente Fladerung (Tandentialschnitt) oder Streiferung (Radialschnitt) erzeugt.
Holzstrahlen: Sehr charakteristisch! Im Radialschnitt als deutliche „Spiegel“ (ca. 1 mm hoch) und im Tangentialschnitt als feine dunkle „Spindeln“ sichtbar.
Das Holzbild der Buche wirkt schlicht, homogen und ruhig. Im Gegensatz zur Eiche ist die Buche zerstreutporig, was eine sehr feine und glatte Oberfläche ergibt.
Verwendung
Aufgrund ihrer hohen Festigkeit ist die Buche ein echtes Arbeitstier im Handwerk:
Möbelbau: Besonders für beanspruchte Teile wie Stühle (Bugholzmöbel), Betten und Kindermöbel.
Innenausbau: Treppenbau, Parkett und Dielenböden (hoher Abnutzungswiderstand).
Küchenutensilien: Schneidbretter, Nudelhölzer und Arbeitsplatten (da geschmacksneutral).
Werkzeugbau: Hobelkörper, Werkbankplatten (Hobelbänke) und Werkzeuggriffe.
Eigenschaften
Buche ist ein schweres, hartes Holz mit hervorragenden Festigkeitswerten, aber einem ausgeprägten Eigenleben.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
Die Buche ist nicht witterungsbeständig (Dauerhaftigkeitsklasse 5). Ohne chemischen Schutz wird sie im Freien schnell von Pilzen befallen.
Bearbeitung:
Hervorragend zum Drechseln und Fräsen geeignet.
Biegen: Unter Dampf lässt sich kein anderes Holz so gut biegen wie die Buche (Thonet-Prinzip).
Verleimung: Problemlos möglich.
Oberflächen: Lässt sich sehr gut beizen und lackieren.
- Trocknung: Kritisch! Buche „arbeitet“ stark. Sie schwindet und quillt mehr als viele andere Hölzer und neigt massiv zu Rissbildung und Verzug, wenn sie zu schnell trocknet.
Tipp:Â Achte beim Verarbeiten auf die Holzfeuchte! Die Buche reagiert extrem sensibel auf Raumklimaschwankungen.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,68–0,75 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 50–62 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 90–120 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 13 000–16 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 34–36 N/mm² |
| pH-Wert | 4,5-5,5 |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 5 (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
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Kernbuche: Lange Zeit als „fehlerhaft“ aussortiert, ist die wilde Maserung der Kernbuche heute im modernen Möbelbau extrem gefragt.
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Dämpfen: Das Dämpfen macht das Holz nicht nur rötlicher, sondern verringert auch die Spannungen im Holz. Die Buche wird „ruhiger“.
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Tipp für Schreiner: Buche neigt beim Bohren und Sägen zum Brandeln (Verbrennungen an der Schnittkante), wenn das Werkzeug stumpf ist oder die Drehzahl zu hoch gewählt wird.
Fazit
Die Buche ist das Arbeitspferd des Schreiners. Wer ihr starkes Schwindverhalten (das „Arbeiten“) durch konstruktiven Holzschutz beherrscht, erhält ein extrem belastbares und zeitloses Material. In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis und technischer Belastbarkeit ist die Buche im Massivholzbereich kaum zu schlagen.