🌲 Fichte – Holzart im Überblick
(Gemeine Fichte | Rotfichte | Nordische Fichte | Alpenfichte)
STECKBRIEF
- Deutscher Name: Gemeine Fichte (Picea abies). Sie wird aufgrund ihrer rötlichen Rinde oft fälschlicherweise als „Rottanne“ bezeichnet, gehört aber botanisch zur Gattung der Fichten.
- Botanische Bezeichnung: Picea abies – Familie: Pinaceae (Kieferngewächse).
- Verbreitung:Â Die Fichte ist der wichtigste Wirtschaftsbaum in Europa. Sie erstreckt sich von Nordeuropa (Skandinavien) bis in die Hochlagen der Alpen und nach Osteuropa.
Die Fichte ist das „Brotbaumgewächs“ der Forst- und Holzwirtschaft. Als leichtes, elastisches und preiswertes Nadelholz bildet sie die Grundlage für den modernen Holzbau und ist aus keiner Schreinerei wegzudenken.
Herkunft & Arten
Fichten sind auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Für das europäische Schreinerhandwerk sind vor allem folgende Differenzierungen wichtig:
Einheimische Fichte: Schnell gewachsen, oft breitjährig, ideal als Bauholz.
Nordische Fichte: Durch das kalte Klima langsamer gewachsen, feinjähriger und dadurch formstabiler. Sehr beliebt für den hochwertigen Innenausbau.
Haselfichte: Eine seltene Wuchsform mit welliger Maserung, die als exzellentes Resonanzholz im Instrumentenbau (z. B. Geigenbau) geschätzt wird.
Holzbild & Struktur
Farbe:Â Sehr hell, fast weiĂź bis gelblich-weiĂź.
Unter Lichteinfluss dunkelt das Holz deutlich zu einem kräftigen Honiggelb nach.
Jahrringe: Sehr deutlich ausgeprägt durch den starken Kontrast zwischen hellem Frühholz und dunklerem, rötlich-braunem Spätholz.
Harzkanäle: Im Querschnitt als feine helle Pünktchen erkennbar. Harzgallen sind ein typisches Merkmal und können bei der Bearbeitung austreten.
Poren: Als Nadelholz besitzt die Fichte keine Poren (Tracheiden-Struktur), was sie sehr homogen macht.
Das Holzbild wirkt natürlich und rustikal. Besonders im dekorativen Bereich werden oft Äste bewusst als Gestaltungselement eingesetzt.
Verwendung
Die Fichte ist ein echtes Multitalent und das meistverwendete Holz im Bau- und Möbelwesen:
Konstruktionsholz: DachstĂĽhle, Balken, Brettschichtholz (BSH) und Konstruktionsvollholz (KVH).
Innenausbau: Wand- und Deckenverkleidungen, einfache Dielenböden, Blindhölzer für Furnierarbeiten.
Möbelbau: Preiswerte Massivholzmöbel („Landhausstil“), Innenausbauten von Schränken.
Spezialanwendungen: Musikinstrumente (Klangdecken), Palettenbau, Papier- und Zellstoffherstellung.
Eigenschaften
Fichte ist ein weiches und leichtes Nadelholz mit einem exzellenten Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
Wenig dauerhaft (Klasse 4). Ohne entsprechenden chemischen Holzschutz ist Fichte nicht fĂĽr den direkten Erdkontakt oder ungeschĂĽtzten AuĂźenbereich geeignet.
Bearbeitung:
Hervorragend: Lässt sich leicht sägen, hobeln, fräsen und bohren.
Verbindungen: Schrauben und Nägel halten gut, Vorbohren ist meist nicht nötig (außer an Kanten).
Oberflächen: Sehr gut zu beizen, zu lasieren und zu lackieren. Achtung bei Harzgallen! Diese sollten vor der Endbehandlung mit Harzgallenfräsern entfernt oder mit speziellen Mitteln isoliert werden.
Trocknung: Trocknet sehr schnell und neigt nur mäßig zum Reißen oder Verwerfen.
Tipp: Achte auf scharfe Werkzeuge! Da Fichte ein Weichholz ist, werden Fasern bei stumpfen Messern eher gequetscht als geschnitten, was zu unsauberen Oberflächen führt.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,43–0,47 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 35–50 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 65–80 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 10 000–12 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 12–15 N/mm² |
| pH-Wert | 4,0-5,0 |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 4 (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
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Harzaustritt: Auch nach Jahren kann bei Wärmeeinwirkung (z. B. durch Sonne) Harz aus dem Holz austreten. Bei sichtbaren Oberflächen ist dies bei der Holzauswahl zu berücksichtigen.
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Bläue: Fichtenholz ist im saftfrischen Zustand anfällig für Bläuepilze (optischer Mangel, keine Festigkeitseinbuße).
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Tipp für Schreiner: Verwenden Sie für den Außenbereich lieber die etwas dauerhaftere Lärche oder Douglasie, wenn kein chemischer Schutz gewünscht ist.
Fazit
Die Fichte ist die Basis für fast jedes Bauvorhaben. Für den Schreiner ist sie das ideale Übungs- und Konstruktionsholz: Es ist leicht zu bearbeiten, günstig und ökologisch sinnvoll, da es regional in großen Mengen nachhaltig verfügbar ist. Ein unverzichtbarer Werkstoff für alles, was stabil und leicht sein muss.