Kiefer – Holzart im Überblick
(Gemeine Kiefer | Waldkiefer | Föhre | Weißkiefer)
STECKBRIEF
Deutscher Name: Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris). Regional wird sie oft auch als Föhre, Forle oder Weißkiefer bezeichnet. Sie ist eine der anpassungsfähigsten Baumarten unserer Wälder.
Botanische Bezeichnung: Pinus sylvestris – Familie: Pinaceae (Kieferngewächse).
Verbreitung: Ăśber ganz Europa und Nordasien verbreitet. Von den Ebenen bis in Gebirgslagen von 2.000 Metern ist sie fast ĂĽberall zu finden.
Die Kiefer ist das charakterstarke Arbeitstier unter den Nadelhölzern. Sie unterscheidet sich von der Fichte vor allem durch ihren deutlichen Farbunterschied zwischen Splint- und Kernholz sowie ihren hohen Harzgehalt, der ihr den typischen, angenehmen Waldduft verleiht.
Herkunft & Arten
Die Gattung Pinus ist mit rund 100 Arten extrem vielfältig. Für den Schreiner sind neben der heimischen Waldkiefer folgende Arten von Bedeutung:
Gemeine Kiefer: Das Standardholz für Bau und Möbel in Mitteleuropa.
Schwarzkiefer: Harzreicher und oft fĂĽr die Gewinnung von Terpentin (Harznutzung) verwendet; das Holz ist etwas grober.
Zirbelkiefer (Zirbe): Eine Hochgebirgsart mit sehr hellem Holz und vielen dunklen Ästen, bekannt für ihre ätherischen Öle und den Einsatz im Schlafzimmermöbelbau.
Weymouthskiefer (Strobe): Eine aus Nordamerika eingefĂĽhrte Art mit sehr weichem, hellem und harzarmem Holz.
Holzbild & Struktur
Farbe: Die Kiefer ist ein ausgeprägter Kernholzbaum.
Splintholz: Breit, gelblich-weiß bis rötlich-weiß.
Kernholz: Im frischen Zustand gelbrötlich, dunkelt aber stark nach zu einem intensiven rötlich-braunen Ton.
Jahrringe: Sehr deutlich sichtbar durch den starken Kontrast zwischen hellem Frühholz und dunklem, breitem Spätholz. Dies ergibt eine lebhafte Fladerung oder Streifung.
Harzkanäle: Größer und zahlreicher als bei der Fichte, oft als feine dunkle Linien im Längsschnitt erkennbar.
Das Holzbild der Kiefer wirkt rustikal, lebendig und kontrastreich. Typisch sind auch die oft in Gruppen auftretenden Äste.
Verwendung
Kiefernholz ist extrem vielseitig und wird im Innen- wie Außenbereich geschätzt:
Möbelbau: Klassische Massivholzmöbel im Landhausstil, Schrankinnenteile und Betten.
Innenausbau: Dielenböden, Wand- und Deckenverkleidungen, Treppen.
Bauwesen: Fenster, TĂĽren, Fassadenelemente und Konstruktionsholz.
Spezialanwendungen: Masten, Schwellen (imprägniert), Spielplatzgeräte und im Schiffsbau.
Eigenschaften
Kiefer ist ein mittelschweres Nadelholz mit guten Festigkeitseigenschaften, aber einer Besonderheit beim Schutzbedarf.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
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Kernholz: Mäßig dauerhaft (Klasse 3–4). Es ist deutlich resistenter als Fichtenholz.
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Splintholz: Nicht dauerhaft (Klasse 5) und sehr anfällig für Bläuepilze.
Bearbeitung:
- Sehr gut: Lässt sich leicht sägen, hobeln und fräsen.
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Verbindungen: Schrauben und Nägel halten sehr gut. Verleimung ist problemlos möglich.
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Oberflächen: Nimmt Beizen und Lasuren gut an. Vorsicht bei Harz: Sehr harzreiche Stellen können die Haftung von Lacken stören und sollten vorher mit Entharzer behandelt werden.
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Trocknung: Trocknet schnell und gut, neigt aber etwas mehr zu Verzug als die Fichte.
Tipp: Kiefernholz dunkelt unter Lichteinfluss stark nach. Dies sollte bei der Planung von Ergänzungsmöbeln unbedingt berücksichtigt werden.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,51–0,55 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 40–50 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 70–90 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 10 000–12 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 18–20 N/mm² |
| pH-Wert | 4,0-5,0Â |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 3-4 (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
Bläue: Eine bläuliche Verfärbung des Splintholzes ist ein häufiger optischer Mangel bei der Kiefer. Sie beeinträchtigt die Festigkeit nicht, stört aber bei hellen Oberflächen.
Harzfluss: Bei Erwärmung (z. B. durch Sonne bei dunklen Haustüren) kann Harz austreten.
Imprägnierbarkeit: Das Splintholz der Kiefer lässt sich hervorragend imprägnieren (Kesseldruckimprägnierung), was sie ideal für den Einsatz im Außenbereich (z. B. Zäune) macht.
Tipp für Schreiner: Werkzeuge verkleben bei der Bearbeitung von Kiefer schneller durch das Harz. Eine Reinigung der Sägeblätter mit Harzlöser ist regelmäßig notwendig, um saubere Schnitte zu garantieren.
Fazit
Die Kiefer ist das „Charakterholz“ unter den Nadelbäumen. Sie bietet mehr Widerstandskraft als die Fichte und eine deutlich wärmere Optik. Für den Schreiner ist sie ein dankbares Material für rustikale Projekte und überall dort die erste Wahl, wo ein preiswertes Holz mit hoher technischer Belastbarkeit und lebendiger Maserung gesucht wird.