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🌲 Kiefer – Holzart im Überblick

(Gemeine Kiefer | Waldkiefer | Föhre | Weißkiefer)

STECKBRIEF

    • Deutscher Name: Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris). Regional wird sie oft auch als Föhre, Forle oder WeiĂźkiefer bezeichnet. Sie ist eine der anpassungsfähigsten Baumarten unserer Wälder.

    • Botanische Bezeichnung: Pinus sylvestris – Familie: Pinaceae (Kieferngewächse).

    • Verbreitung: Ăśber ganz Europa und Nordasien verbreitet. Von den Ebenen bis in Gebirgslagen von 2.000 Metern ist sie fast ĂĽberall zu finden.

Die Kiefer ist das charakterstarke Arbeitstier unter den Nadelhölzern. Sie unterscheidet sich von der Fichte vor allem durch ihren deutlichen Farbunterschied zwischen Splint- und Kernholz sowie ihren hohen Harzgehalt, der ihr den typischen, angenehmen Waldduft verleiht.

Herkunft & Arten

Die Gattung Pinus ist mit rund 100 Arten extrem vielfältig. Für den Schreiner sind neben der heimischen Waldkiefer folgende Arten von Bedeutung:

  • Gemeine Kiefer: Das Standardholz fĂĽr Bau und Möbel in Mitteleuropa.

  • Schwarzkiefer: Harzreicher und oft fĂĽr die Gewinnung von Terpentin (Harznutzung) verwendet; das Holz ist etwas grober.

  • Zirbelkiefer (Zirbe): Eine Hochgebirgsart mit sehr hellem Holz und vielen dunklen Ă„sten, bekannt fĂĽr ihre ätherischen Ă–le und den Einsatz im Schlafzimmermöbelbau.

  • Weymouthskiefer (Strobe): Eine aus Nordamerika eingefĂĽhrte Art mit sehr weichem, hellem und harzarmem Holz.

Holzbild & Struktur

  • Farbe: Die Kiefer ist ein ausgeprägter Kernholzbaum.

    • Splintholz: Breit, gelblich-weiĂź bis rötlich-weiĂź.

    • Kernholz: Im frischen Zustand gelbrötlich, dunkelt aber stark nach zu einem intensiven rötlich-braunen Ton.

  • Jahrringe: Sehr deutlich sichtbar durch den starken Kontrast zwischen hellem FrĂĽhholz und dunklem, breitem Spätholz. Dies ergibt eine lebhafte Fladerung oder Streifung.

  • Harzkanäle: Größer und zahlreicher als bei der Fichte, oft als feine dunkle Linien im Längsschnitt erkennbar.

Das Holzbild der Kiefer wirkt rustikal, lebendig und kontrastreich. Typisch sind auch die oft in Gruppen auftretenden Äste.

Verwendung

Kiefernholz ist extrem vielseitig und wird im Innen- wie Außenbereich geschätzt:

  • Möbelbau: Klassische Massivholzmöbel im Landhausstil, Schrankinnenteile und Betten.

  • Innenausbau: Dielenböden, Wand- und Deckenverkleidungen, Treppen.

  • Bauwesen: Fenster, TĂĽren, Fassadenelemente und Konstruktionsholz.

  • Spezialanwendungen: Masten, Schwellen (imprägniert), Spielplatzgeräte und im Schiffsbau.

Eigenschaften

Kiefer ist ein mittelschweres Nadelholz mit guten Festigkeitseigenschaften, aber einer Besonderheit beim Schutzbedarf.

Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
  • Kernholz: Mäßig dauerhaft (Klasse 3–4). Es ist deutlich resistenter als Fichtenholz.

  • Splintholz: Nicht dauerhaft (Klasse 5) und sehr anfällig fĂĽr Bläuepilze.

Bearbeitung:
  •  Sehr gut: Lässt sich leicht sägen, hobeln und fräsen.
  • Verbindungen: Schrauben und Nägel halten sehr gut. Verleimung ist problemlos möglich.

  • Oberflächen: Nimmt Beizen und Lasuren gut an. Vorsicht bei Harz: Sehr harzreiche Stellen können die Haftung von Lacken stören und sollten vorher mit Entharzer behandelt werden.

  • Trocknung: Trocknet schnell und gut, neigt aber etwas mehr zu Verzug als die Fichte.

Tipp: Kiefernholz dunkelt unter Lichteinfluss stark nach. Dies sollte bei der Planung von Ergänzungsmöbeln unbedingt berücksichtigt werden.

Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %)0,51–0,55 g/cm³
Druckfestigkeit40–50 N/mm²
Biegefestigkeit70–90 N/mm²
Elastizitätsmodul10 000–12 000 N/mm²
Härte (Brinell, ⊥ zur Faser)18–20 N/mm²
pH-Wert4,0-5,0 
NatĂĽrliche DauerhaftigkeitKlasse 3-4 (nach DIN-EN 350-2)

Besonderheiten & Hinweise

  • Bläue: Eine bläuliche Verfärbung des Splintholzes ist ein häufiger optischer Mangel bei der Kiefer. Sie beeinträchtigt die Festigkeit nicht, stört aber bei hellen Oberflächen.

  • Harzfluss: Bei Erwärmung (z. B. durch Sonne bei dunklen HaustĂĽren) kann Harz austreten.

  • Imprägnierbarkeit: Das Splintholz der Kiefer lässt sich hervorragend imprägnieren (Kesseldruckimprägnierung), was sie ideal fĂĽr den Einsatz im AuĂźenbereich (z. B. Zäune) macht.

  • Tipp fĂĽr Schreiner: Werkzeuge verkleben bei der Bearbeitung von Kiefer schneller durch das Harz. Eine Reinigung der Sägeblätter mit Harzlöser ist regelmäßig notwendig, um saubere Schnitte zu garantieren.

Fazit

Die Kiefer ist das „Charakterholz“ unter den Nadelbäumen. Sie bietet mehr Widerstandskraft als die Fichte und eine deutlich wärmere Optik. Für den Schreiner ist sie ein dankbares Material für rustikale Projekte und überall dort die erste Wahl, wo ein preiswertes Holz mit hoher technischer Belastbarkeit und lebendiger Maserung gesucht wird.