Apfelbaum – Holzart im Überblick
(Kulturapfel | Wildapfel | Holzapfel)
STECKBRIEF
Deutscher Name: Kultur-Apfelbaum (Malus domestica) oder Wild-Apfel (Malus sylvestris). Er zählt zu den wertvollsten heimischen Obsthölzern und wird oft als „Edellaubholz“ gehandelt.
Botanische Bezeichnung: Malus spp. – Familie: Rosaceae (Rosengewächse).
Verbreitung: Ursprünglich aus Zentralasien stammend, heute weltweit in gemäßigten Zonen verbreitet. Im Handwerk wird meist Holz aus alten Obstgärten oder von Streuobstwiesen verwendet.
Der Apfelbaum ist die „charakterstarke Diva“ unter den Hölzern. Aufgrund seines langsamen Wuchses und der oft knorrigen Stammformen ist es in großen Dimensionen selten verfügbar. In der feinen Schreinerei und Drechslerei wird es jedoch für seine extreme Härte und die warme, rötliche Farbtiefe geliebt.
Herkunft & Arten
Beim Apfelbaumholz unterscheidet man im Handwerk meist nach dem Wuchsort:
Kulturapfel: Stammt meist aus Gartenrodungen. Das Holz ist oft durch Veredelungen und SchnittmaĂźnahmen gezeichnet, was zu sehr lebendigen und individuellen Maserungen fĂĽhrt.
Wildapfel (Holzapfel): Seltener und oft feinjähriger als der Kulturapfel. Das Holz ist meist noch härter und gleichmäßiger in der Struktur.
Verfügbarkeit: Da Apfelbäume selten forstwirtschaftlich genutzt werden, ist das Holz meist nur über spezialisierte Edelholzhändler oder lokale Quellen (Baumfällungen) zu beziehen.
Holzbild & Struktur
Farbe:Â
Splintholz: Breit und hellgelb bis rötlich-weiß.
Kernholz: rötlich-braun bis rotbraun, oft mit dunklen Streifen oder unregelmäßigen Farbzonen durchsetzt. Es hat eine sehr warme Ausstrahlung.
Jahrringe: Deutlich erkennbar, oft wellig verlaufend, was dem Holz eine sehr lebendige Zeichnung verleiht.
Poren: Zerstreutporig und extrem fein. Nach der Bearbeitung wirkt die Oberfläche fast metallisch glatt.
Besonderheiten: Häufig treten Drehwuchs, Äste und Verwachsungen auf. Diese „Fehler“ machen den besonderen Reiz des Holzes für exklusive Einzelstücke aus.
Verwendung
Wegen der begrenzten Abmessungen wird Apfelbaum primär für kleinere, hochwertige Objekte genutzt:
Exklusiver Möbelbau: Intarsien (Einlegearbeiten), kleine Schatullen, Fronten von Solitärmöbeln.
Drechslerarbeiten: Schalen, Vasen, Schreibgeräte und kunstvolle Objekte.
Werkzeugbau: Aufgrund der extremen Härte für Hobelsohlen, Werkzeuggriffe und früher für Zahnräder in Mühlen.
KĂĽchenutensilien: Hochwertige Messergriffe (sehr wasserresistent durch die hohe Dichte).
Musikinstrumente: Gelegentlich für Flöten oder Zierteile im Instrumentenbau.
Eigenschaften
Apfelbaumholz ist sehr schwer, hart und zäh. Es gehört zu den dichtesten einheimischen Holzarten.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
Nicht dauerhaft (Klasse 4–5). Apfelbaumholz ist extrem anfällig für Pilzbefall und Würmer. Es darf nur im trockenen Innenbereich verwendet werden.
Bearbeitung:
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Anspruchsvoll: Wegen der Härte und des häufigen Drehwuchses ist die Bearbeitung schwierig. Es neigt zum Splittern.
Oberflächen: Nach dem Schleifen (bis zu hoher Körnung) entstehen seidig glänzende, spiegelglatte Oberflächen, die sich hervorragend polieren lassen.
Trocknung: Sehr schwierig. Apfelbaum ist berĂĽchtigt fĂĽr sein starkes Schwindverhalten. Es reiĂźt und verzieht sich extrem leicht. Eine sehr langsame Trocknung (oft ĂĽber Jahre) ist zwingend erforderlich.
Tipp: Beim Fräsen und Bohren neigt Apfelbaumholz aufgrund der hohen Dichte extrem schnell zu Brandmalen. Arbeite mit reduzierter Drehzahl und sehr scharfen Werkzeugen.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,65–0,85 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 45–60 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 80–110 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 10 000–12 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 30–35 N/mm² |
| pH-Wert | 4,5-5,2 |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 4-5 (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
Rissbildung: Man sagt unter Schreinern oft: „Dem Apfelbaum beim Reißen zuzusehen, gehört zum Handwerk.“ Um Risse zu vermeiden, sollten Hirnholzenden bei der Trocknung sofort versiegelt werden.
Haptik: Die Oberfläche von poliertem Apfelholz fühlt sich außergewöhnlich glatt und „speckig“ (im positiven Sinne) an.
Tipp für Schreiner: Verwenden Sie Apfelbaumholz für Projekte, bei denen die Natürlichkeit im Vordergrund steht. Risse können bewusst mit Epoxidharz oder Kontrasthölzern (Schwalbenschwanz-Keys) ins Design integriert werden.
Fazit
Der Apfelbaum ist ein Holz für Geduldige und Liebhaber. Er verzeiht keine Fehler bei der Trocknung und fordert das Werkzeug heraus. Wer diese Hürden meistert, wird jedoch mit einem Holz belohnt, das an technischer Härte und ästhetischer Wärme kaum zu übertreffen ist. Ein wahres Schmuckstück für jedes Meisterstück.