schreiner.digitalschreiner.digital – Startseite
← Betrieb

Marketing für Schreinereien

Gute Arbeit spricht sich herum – aber nicht von allein und nicht schnell genug. Marketing heißt für eine Schreinerei nicht Werbung um jeden Preis, sondern: von den richtigen Kunden gefunden werden, Vertrauen aufbauen, bevor der erste Termin stattfindet, und die Aufträge bekommen, die zum Betrieb passen. Das meiste davon kostet mehr Zeit als Geld.

Woran man merkt, dass Marketing fehlt

Auch volle Auftragsbücher schützen nicht vor diesen Anzeichen – und jedes kostet auf Dauer Geld:

  • Die Anfragen passen nicht: zu klein, zu weit weg oder nur auf den Preis aus
  • Neue Aufträge kommen fast nur über zwei, drei Auftraggeber oder Bauträger
  • Woher eine Anfrage kam, weiß niemand genau
  • Die Website ist seit Jahren unverändert, das Google-Profil hat kaum Fotos
  • Auf Stellenanzeigen meldet sich niemand
  • Bei fast jedem Angebot wird über den Preis diskutiert

Marketing ist dabei kein Selbstzweck. Es soll die Aufträge bringen, die zum Betrieb passen, die Leute, die sie ausführen – und ein Polster für ruhigere Zeiten. Denn Sichtbarkeit aufzubauen dauert Monate; wer erst anfängt, wenn die Aufträge ausbleiben, ist spät dran.

Wie Kunden eine Schreinerei finden

Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, worauf sich Menschen bei der Wahl eines Handwerksbetriebs verlassen. Ein Klick auf einen Balken zeigt, was das für den Betrieb heißt:

Worüber sich Menschen informieren, bevor sie einen Handwerksbetrieb beauftragen – Mehrfachnennungen möglich.

Gespräche mit Familie, Freunden oder Kollegen: 83 %

Die Empfehlung ist der wichtigste Weg zum Auftrag. Kunden brauchen etwas, das sie weitergeben können: den Namen, die Website, eine Karte.

Empfehlungen in Gang bringen →

Quelle: repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Personen ab 16 Jahren, Februar und März 2025.

nennen eine fehlende Website als Ausschlusskriterium bei der Wahl eines Handwerksbetriebs
40 %
finden, dass digitale Angebote Handwerksbetriebe attraktiver machen
55 %

Die Empfehlung bleibt also der wichtigste Weg. Aber wer empfohlen wird, wird danach geprüft: Website, Google-Profil, Bewertungen. Dort entscheidet sich, ob aus der Empfehlung eine Anfrage wird. Wie viel dabei verschenkt wird, zeigt ein Test von 500 Handwerker-Websites aus fünf Gewerken in fünf Großstädten: Im Schnitt erreichten sie 2,12 von 9 möglichen Punkten. 78 Prozent zeigten kein Foto des Inhabers, nur 16 Prozent bauten Bewertungen von Portalen ein.

Erst die Positionierung, dann die Kanäle

Wer alles für alle macht, ist für niemanden die erste Wahl. Bevor es um Kanäle geht, lohnt eine ehrliche Antwort auf vier Fragen:

  • Für wen? Privatkunden in Neubau oder Altbau, Gewerbe, Architekten und Planer, öffentliche Auftraggeber – jede Gruppe sucht anders.
  • Wofür? Der Schwerpunkt, für den der Betrieb angerufen werden soll: Küchen, Einbaumöbel, Treppen, Innentüren, Laden- und Praxisbau, Fenster.
  • Wo? Das Einzugsgebiet – realistisch nach Fahrzeit, nicht nach Wunsch.
  • Warum gerade dieser Betrieb? Was ihn unterscheidet: Planung aus einer Hand, eigene Oberflächenwerkstatt, Erfahrung im Altbau, Massivholz, Termintreue. Nicht „Qualität und Zuverlässigkeit“ – das sagen alle.

Jede Zielgruppe sucht anders

Zielgruppe

Privatkunden

Worauf sie achtet
Vertrauen, Beispiele, Preisrahmen, Termin
Wo man sie erreicht
Empfehlung, Google-Profil, Website, Instagram, vor Ort

Zielgruppe

Gewerbekunden

Worauf sie achtet
Termintreue, Bauzeit, Referenzen aus der Branche, ein fester Ansprechpartner
Wo man sie erreicht
Netzwerk, Empfehlung, LinkedIn, direkte Ansprache

Zielgruppe

Architekten und Planer

Worauf sie achtet
Fachwissen, Details, Mitdenken, Verlässlichkeit
Wo man sie erreicht
Persönliche Vorstellung, Referenzmappe, Werkstattbesuch, LinkedIn

Zielgruppe

Öffentliche Auftraggeber

Worauf sie achtet
Eignungsnachweise mit Referenzen und ein vollständiges, wirtschaftliches Angebot
Wo man sie erreicht
Vergabeplattformen und Ausschreibungsdienste

Ein Satz, der hängen bleibt

„Einbaumöbel für Altbauwohnungen in Leipzig und Umgebung“ sagt mehr als „Ihr Partner für Holz in allen Variationen“. Dieser eine Satz gehört auf die Startseite, ins Google-Profil und aufs Fahrzeug – und er hilft bei jeder Entscheidung, welche Anfragen der Betrieb annimmt.

Wie sich ein klarer Schwerpunkt auf die Preise auswirkt, zeigt Preisgestaltung und Wirtschaftlichkeit.

Welche Kanäle passen zu deinem Betrieb?

Wer anfragen soll, was das Ziel ist und wie viel Zeit und Geld zur Verfügung stehen, entscheidet über den passenden Mix. Vier Fragen zeigen, womit du anfängst – und was du erst mal weglassen kannst:

Wer soll vor allem anfragen?
Was ist gerade das wichtigste Ziel?
Wie viel Zeit ist pro Woche dafür drin?
Wie viel Geld steht im Monat für Werbung bereit?

Empfehlung aktualisiert: Google-Profil mit aktuellen Projektfotos, Leistungen und Bewertungen; Für jede Leistung eine Seite mit echten Projekten auf der Website; Vor Ort auffallen: Fahrzeug, Baustellenschild, Tag der offenen Werkstatt

Dein Schwerpunkt

Dort sichtbar werden, wo Privatkunden in der Region suchen – und Empfehlungen in Gang bringen.

  1. Google-Profil mit aktuellen Projektfotos, Leistungen und Bewertungen
  2. Für jede Leistung eine Seite mit echten Projekten auf der Website
  3. Vor Ort auffallen: Fahrzeug, Baustellenschild, Tag der offenen Werkstatt

Die Basis – für jeden Betrieb

Erst mal weglassen

  • Messestände und große Printanzeigen – ein kleines Budget wirkt mehr in Fotos, Website und Fahrzeugbeschriftung.

Diese Woche anfangen

Das Google-Profil prüfen: Kategorie, Leistungen, Einzugsgebiet – und zehn aktuelle Projektfotos hochladen

Die Basis ist für jeden Betrieb dieselbe: ein gepflegtes Google-Profil, eine Website mit echten Projekten und ein System für Empfehlungen. Erst wenn das steht, lohnt es sich, Zeit oder Geld in weitere Kanäle zu stecken.

In acht Schritten zu Marketing, das Aufträge bringt

Die ersten vier Schritte sind die Basis und kosten vor allem Zeit. Die übrigen bauen darauf auf – je nach Ziel und Budget:

  1. 1Google-ProfilGefunden werden, wenn in der Region gesucht wird
  2. 2WebsiteAus einer Empfehlung wird eine Anfrage
  3. 3ReferenzenJedes Projekt wird zum Werbemittel
  4. 4EmpfehlungenZufriedene Kunden erzählen es weiter
  5. 5Vor OrtIn der Region bekannt sein
  6. 6Soziale MedienEin Kanal, regelmäßig gepflegt
  7. 7Bezahlte ReichweiteNur, was sich nachrechnen lässt
  8. 8AuswertenWissen, welcher Kanal Aufträge bringt

1. Das Google-Unternehmensprofil vollständig pflegen

Wer „Schreiner“ oder „Einbauschrank nach Maß“ mit einem Ortsnamen sucht, sieht zuerst eine Karte mit Betrieben aus der Nähe. Welche dort erscheinen, entscheidet Google nach drei Kriterien: Relevanz – passt das Profil zur Suche? –, Entfernung und Bekanntheit, etwa durch Bewertungen und Verweise von anderen Websites. Einen besseren Platz in diesen Ergebnissen kann man nicht kaufen – Anzeigen erscheinen gekennzeichnet darüber.

  • Kategorie und Leistungen: die Hauptkategorie, die den Betrieb am genauesten beschreibt, dazu passende weitere – und die Leistungen einzeln eintragen: Küchen, Einbauschränke, Treppen, Türen.
  • Einzugsgebiet: Wer zu den Kunden fährt, gibt die Orte oder Regionen an, in denen er arbeitet.
  • Fotos: Werkstatt, Team und fertige Projekte – regelmäßig neue, nicht nur zum Start.
  • Zeiten und Kontakt: Öffnungs- und Telefonzeiten, Website und Telefonnummer aktuell halten, auch an Feiertagen und im Betriebsurlaub.
  • Bewertungen beantworten: jede, auch kritische – sachlich, freundlich und ohne Details zum Auftrag.
  • Beiträge: ab und zu ein fertiges Projekt oder eine Neuigkeit veröffentlichen.

Praxistipp

Einmal im Quartal zehn Minuten einplanen: Profil öffnen, Zeiten prüfen, drei neue Projektfotos hochladen, offene Bewertungen beantworten. Die Statistik im Profil zeigt, wie oft der Betrieb gefunden, angerufen oder die Route zu ihm geplant wurde.

2. Die Website als Schaufenster

Auf der Website wird aus einer Empfehlung eine Anfrage – oder nicht. Was hineingehört:

  • Auf den ersten Blick: was der Betrieb macht, für wen und wo – in einem Satz.
  • Leistungen mit Projekten: je Leistung eine Seite mit Fotos echter Projekte und einem kurzen Text.
  • Menschen: Inhaber und Team mit Foto – Kunden lassen nur jemanden ins Haus, den sie einschätzen können.
  • Ablauf und Preisrahmen: wie ein Auftrag abläuft und in welcher Größenordnung typische Projekte liegen. Das spart Anfragen, die nicht passen.
  • Kontakt ohne Hürden: Telefon mit Telefonzeiten, E-Mail und ein kurzes Formular, das gleich nach Maßen und Fotos fragt – und eine schnelle Antwort, wie in der Kundenkommunikation beschrieben.
  • Stimmen von Kunden: Bewertungen oder Zitate zufriedener Kunden, mit deren Zustimmung, oder ein Link zum Google-Profil.
  • Fürs Handy gebaut: Viele sehen die Seite zuerst auf dem Smartphone – Text, Bilder und Telefonnummer müssen dort gut funktionieren.

Was rechtlich auf jede Website gehört

  • Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz, mit höchstens zwei Klicks erreichbar: Name und Anschrift, Vertretung, Telefon und E-Mail, Handelsregister und Umsatzsteuer-ID, falls vorhanden – und im Tischler- und Schreinerhandwerk die zuständige Handwerkskammer, die Berufsbezeichnung mit dem Staat, in dem sie verliehen wurde, und der Hinweis auf die Handwerksordnung.
  • Datenschutzerklärung, die erklärt, was mit den Daten aus Formular, E-Mail und eingebundenen Diensten geschieht.
  • Cookies und Statistik nur mit Einwilligung, wenn sie technisch nicht notwendig sind (§ 25 TDDDG). Wer auf Tracking verzichtet und Karten oder Videos erst nach einem Klick lädt, braucht oft gar keinen Cookie-Banner.
  • Barrierefreiheit: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betrifft vor allem Online-Shops und Buchungsfunktionen; eine reine Info-Website fällt in der Regel nicht darunter. Gut lesbar sollte sie trotzdem sein.

Was eine Website kostet

Eine gute Website muss nicht teuer sein: Baukastensysteme kosten etwa 10 bis 20 Euro im Monat plus eigene Zeit, eine einfache Website vom Webdesigner meist einen niedrigen vierstelligen Betrag, dazu Pflege und Hosting. Wichtiger als das Design sind echte Fotos, klare Texte – und jemand, der die Seite aktuell hält.

Mehr zu Datenschutzerklärung und Einwilligungen steht im Artikel Datenschutz und DSGVO.

3. Projekte dokumentieren: Referenzen, die verkaufen

Fotos fertiger Projekte sind das stärkste Werbemittel einer Schreinerei – auf der Website, im Google-Profil, in sozialen Medien und im Angebot. Damit genug zusammenkommt, gehört das Fotografieren zum Ablauf jedes Auftrags:

  • Bei der Abnahme fotografieren: aufgeräumt, bei Tageslicht, die Gesamtansicht und Details – Griffe, Fugen, Kanten, Innenleben.
  • Vorher und nachher: Ein Foto der leeren Nische vor dem Einbau macht den Unterschied sichtbar.
  • Erlaubnis einholen: Fotos aus der Wohnung eines Kunden nur mit dessen Zustimmung, am besten schriftlich – im Übergabeblatt gibt es dafür ein Feld. Personen, Namen und Adressen bleiben außen vor.
  • Kurz beschreiben: Was war die Aufgabe, welche Lösung, welches Material? Drei Sätze genügen.
  • Ordentlich ablegen: ein Ordner je Projekt mit den besten Bildern – dann sind sie da, wenn sie gebraucht werden.

Praxistipp

Ein Smartphone reicht für gute Projektfotos: Licht von vorn oder von der Seite, Kamera auf Augenhöhe, gerade Linien, nichts im Bild, was nicht dazugehört. Für besondere Projekte lohnt ein Fotograf – mit klarer Absprache, wo die Bilder genutzt werden dürfen.

KI-Bilder helfen beim Entwurf, ersetzen aber keine Referenz: Was nie gebaut wurde, darf nicht aussehen wie ein echtes Projekt.

4. Empfehlungen und Bewertungen in Gang bringen

83 Prozent fragen im Bekanntenkreis, bevor sie einen Handwerksbetrieb beauftragen. Empfehlungen entstehen aus guter Arbeit – aber man kann sie leichter machen:

  • Zur richtigen Zeit fragen: bei der Abnahme, wenn der Kunde das fertige Möbel vor sich hat – um eine Bewertung bei Google und darum, den Betrieb weiterzuempfehlen.
  • Etwas in die Hand geben: Visitenkarten oder eine Karte mit QR-Code zum Google-Profil, die der Kunde weitergeben kann.
  • Danke sagen: Wer einen neuen Kunden vermittelt hat, erfährt davon – mit einem Anruf, einer Karte oder einer Kleinigkeit aus der Werkstatt.
  • Ein Netzwerk pflegen: Architekten und Innenarchitekten, Küchenstudios, Raumausstatter, Maler, Elektriker, Hausverwaltungen – wer zusammen gute Baustellen hatte, empfiehlt sich gegenseitig.
  • Stammkunden pflegen: Wer zufrieden war, kommt für das nächste Zimmer wieder – ein kurzer Gruß zum Jahresende oder ein Angebot zur Pflege nach einigen Jahren hält den Kontakt.

Bitten ja, belohnen nein

Um eine Bewertung zu bitten ist erlaubt. Rabatte, Gutscheine oder Geschenke für Bewertungen sind es nicht, und per E-Mail braucht die Bitte die Einwilligung des Kunden. Was genau gilt, steht im Artikel Kundenkommunikation.

5. Vor Ort sichtbar sein

Eine Schreinerei arbeitet in ihrer Region – dort sollte man sie kennen. Viele der wirksamsten Maßnahmen kosten wenig:

Maßnahme

Fahrzeugbeschriftung

Was sie bringt
Wird bei jeder Fahrt und auf jeder Baustelle gesehen
Darauf achten
Name, Schwerpunkt in wenigen Worten, Website – wenig Text, gut lesbar

Maßnahme

Baustellen- und Bauzaunschild

Was sie bringt
Zeigt Nachbarn, wer dort arbeitet
Darauf achten
Nur mit Zustimmung des Bauherrn; größere Werbeschilder können je nach Bauordnung eine Genehmigung brauchen

Maßnahme

Tag der offenen Werkstatt

Was sie bringt
Menschen sehen, wie gearbeitet wird – auch künftige Azubis
Darauf achten
Projekte zum Anfassen, kleine Vorführungen; ankündigen über Lokalpresse und Google-Profil

Maßnahme

Ausstellung oder Musterecke

Was sie bringt
Kunden fassen Materialien, Oberflächen und Beschläge an
Darauf achten
Muster aktuell halten – sie zeigen, was der Betrieb heute kann

Maßnahme

Lokalpresse

Was sie bringt
Kostenlose Reichweite für besondere Projekte, Jubiläen, Auszeichnungen und Azubis
Darauf achten
Kurzer Text mit gutem Foto an die Redaktion – der Anlass muss für Leser interessant sein

Maßnahme

Vereine und Sponsoring

Was sie bringt
Bekanntheit und Sympathie im Ort
Darauf achten
Lieber ein Verein mit echtem Bezug als viele kleine Logos

Maßnahme

Regionale Messen

Was sie bringt
Viele Gespräche an wenigen Tagen
Darauf achten
Kosten viel Zeit und Geld – nur mit klarem Ziel, guter Vorbereitung und Nachfassen

6. Soziale Medien gezielt nutzen

56 Prozent der Handwerksbetriebe nutzen soziale Medien, 2022 waren es noch 40 Prozent (Bitkom). Nicht jede Plattform passt zu jedem Ziel – und jede kostet regelmäßig Zeit:

Plattform

Instagram

Gut für
Privatkunden in der Region, Projekte und Werkstattalltag, Azubis
Aufwand und Hinweise
Bilder und kurze Videos; als Richtwert alle ein bis zwei Wochen ein Beitrag, sonst wirkt das Profil verlassen

Plattform

Facebook

Gut für
Ältere Zielgruppen, lokale Gruppen, Veranstaltungen
Aufwand und Hinweise
Beiträge lassen sich mit Instagram gemeinsam veröffentlichen; Nachrichten und Bewertungen im Blick behalten

Plattform

Pinterest

Gut für
Inspiration für Küchen, Einbaumöbel und Wohnideen
Aufwand und Hinweise
Gute Projektfotos mit Link auf die passende Seite der Website

Plattform

LinkedIn

Gut für
Architekten, Planer, Gewerbekunden und Fachkräfte
Aufwand und Hinweise
Das Profil des Inhabers ist oft wichtiger als die Firmenseite; Projekte und Einblicke statt Werbesprüche

Plattform

YouTube und TikTok

Gut für
Azubis und junge Fachkräfte, Arbeitsabläufe zeigen
Aufwand und Hinweise
Kurze Clips aus der Werkstatt genügen; Mitarbeitende nur mit deren Einverständnis zeigen

Ein Projekt, fünf Beiträge

Vorher-Foto, Werkstatt, Detail, Montage, fertiges Ergebnis: Wer pro Auftrag ein paar Minuten fotografiert, hat Stoff für Wochen.

Auch Social-Media-Profile brauchen ein Impressum – ein deutlich sichtbarer Link auf das Impressum der Website genügt.

7. Bezahlte Reichweite: erst nachrechnen

Bezahlte Kanäle bringen schnell Kontakte – aber jeder Auftrag, der darüber kommt, kostet Geld:

  • Suchmaschinenanzeigen erscheinen bei passenden Suchen über den normalen Ergebnissen; sie lassen sich auf Region und Leistung begrenzen, bezahlt wird pro Klick.
  • Anzeigen in sozialen Medien erreichen Menschen nach Region und Interessen – gut für Veranstaltungen und Stellenanzeigen.
  • Handwerkerportale vermitteln Anfragen gegen Gebühr pro Kontakt oder Abo. Oft bekommen mehrere Betriebe dieselbe Anfrage – dann entscheidet häufig der Preis. Laufzeit und Kosten pro Kontakt vorher prüfen.
  • Messen und Printanzeigen kosten viel Zeit oder Geld – nur mit klarem Ziel und konsequentem Nachfassen.

Rechner: Was kostet ein Auftrag über einen Kanal?

Ein Kanal lohnt sich, wenn ein Auftrag darüber weniger kostet, als er an Gewinn bringt. Die Beispielwerte lassen sich mit den eigenen Zahlen überschreiben:

€

Gebühren, Anzeigen, anteilige Messekosten

Std.
€/h
Anz.
%

Abschlussquote

€
%

Vom Auftragswert, nach allen Kosten. Die Musterkalkulation plant 25 % Wagnis und Gewinn auf die Kosten ein, das sind 20 % vom Preis – tatsächlich bleibt oft weniger.

Lohnt sich knapp. 71 Prozent des Gewinns je Auftrag gehen an den Kanal.

Kosten im Monat
510 €
Aufträge im Monat
1,2
Kosten pro Anfrage
85 €
Kosten pro Auftrag
425 €
Kosten pro Auftrag425 €
Gewinn pro Auftrag600 €

Lohnt sich knapp: 71 Prozent des Gewinns je Auftrag gehen an den Kanal.

Damit sich der Kanal trägt, braucht er 0,9 Aufträge im Monat – mit diesen Zahlen sind es 1,2.

Der größte Hebel ist oft nicht der Kanal, sondern die Abschlussquote: Wird im Beispiel jede dritte statt jede fünfte Anfrage zum Auftrag, sinken die Kosten pro Auftrag von 425 auf 255 Euro. Schnelle Antworten und konsequentes Nachfassen beschreibt die Kundenkommunikation.

8. Messen, was wirkt

Ohne Zahlen bleibt Marketing Bauchgefühl. Schon eine einfache Liste zeigt, welcher Kanal Aufträge bringt:

  • Jede Anfrage fragen: „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ – und die Antwort notieren. Im Kundendatenblatt ist das Feld schon vorgesehen.
  • Eine Anfragenliste führen: Datum, Quelle, Art des Projekts, Datum der ersten Antwort, Angebot, Ergebnis und Auftragswert – fertig mit automatischer Auswertung in der Anfragen- und Marketing-Auswertung.
  • Einmal im Quartal auswerten: Wie viele Anfragen und Aufträge kamen aus welchem Kanal, mit welchem Auftragswert – und was hat der Kanal gekostet?
  • Die Statistiken nutzen: Das Google-Profil zeigt Aufrufe, Anrufe und Routenanfragen; eine datensparsame Website-Statistik zeigt, welche Seiten gelesen werden.

Kennzahl

Anfragen je Kanal

So wird sie ermittelt
Anfragenliste mit der Spalte „Quelle“
Was sie zeigt
Welcher Kanal Kontakte bringt

Kennzahl

Abschlussquote

So wird sie ermittelt
Aufträge geteilt durch Anfragen
Was sie zeigt
Ob die Anfragen passen – und wie gut nachgefasst wird

Kennzahl

Auftragswert

So wird sie ermittelt
Durchschnitt der Aufträge, je Kanal
Was sie zeigt
Welcher Kanal die besseren Aufträge bringt

Kennzahl

Kosten pro Auftrag

So wird sie ermittelt
Kosten des Kanals geteilt durch die Aufträge daraus
Was sie zeigt
Ob sich ein bezahlter Kanal trägt

Praxistipp

Ein Quartal mit Anfragenliste reicht oft, um eine teure Anzeige zu kündigen – oder einen Kanal auszubauen, der unterschätzt wurde. Die Excel-Vorlage rechnet dafür alle Kanäle auf einmal durch: Anfragen, Abschlussquote, Auftragswert und Kosten pro Auftrag, auch für einen gewählten Zeitraum.

Marketing in eigener Sache: Fachkräfte und Azubis

Wer Fachkräfte und Azubis sucht, wird genauso geprüft wie bei einer Kundenanfrage. Jugendliche suchen nach Ausbildungsplätzen laut der Studie Azubi-Recruiting Trends 2025 vor allem über Suchmaschinen (41 Prozent), YouTube (36 Prozent), Instagram (35 Prozent) und TikTok (27 Prozent):

  • Karriereseite: wer gesucht wird, was der Betrieb bietet – Werkstatt, Maschinen, Projekte, Arbeitszeiten, Weiterbildung –, Fotos des Teams und ein kurzer Weg zur Bewerbung, gern per Anruf oder Nachricht statt Anschreiben.
  • Azubis zeigen lassen: kurze Clips aus der Werkstatt, Gesellenstücke, Projekte – mit Einverständnis, am besten von den Azubis selbst.
  • Praktika und Schulkontakte: Schülerpraktika, Berufsorientierungstage und Ausbildungsmessen in der Region.
  • Mitarbeitende werben Mitarbeitende: Das Team kennt Leute aus Berufsschule und Branche – eine Prämie für eine erfolgreiche Empfehlung macht das sichtbar.
  • Bewertungen als Arbeitgeber: Auch Bewerber lesen, was andere über den Betrieb schreiben – antworten und ernst nehmen.

Wie neue Kollegen gut ankommen, zeigt der Einarbeitungsplan im Download-Bereich.

Was bei Werbung rechtlich gilt

Die meisten Regeln sind einfach – Ärger gibt es vor allem, wenn sie übersehen werden:

ThemaWas gilt
ImpressumAuf der Website und in Social-Media-Profilen, nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz – mit Handwerkskammer und Berufsbezeichnung
Datenschutz und CookiesDatenschutzerklärung; Einwilligung für alles, was technisch nicht notwendig ist (§ 25 TDDDG)
FotosKundenwohnungen nur mit Zustimmung, erkennbare Personen nur mit Einwilligung, fremde Bilder nur mit Nutzungsrecht
WerbeaussagenMüssen stimmen (§ 5 UWG): „Meisterbetrieb“ nur, wenn ein Meister den Betrieb leitet; Gütezeichen und Verbandslogos nur mit Berechtigung; „die Nummer 1“ nur mit Beleg
BewertungenBitten ja, belohnen nein; gekaufte oder selbst geschriebene Bewertungen sind unzulässig
PreiseGegenüber Privatkunden Gesamtpreise einschließlich Umsatzsteuer (Preisangabenverordnung)
E-Mail-Werbung und NewsletterNur mit ausdrücklicher Einwilligung, am besten mit Bestätigung per E-Mail (§ 7 UWG)
KI-BilderNicht als echte Referenzprojekte ausgeben – das wäre irreführend

Die Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Fragen helfen die Rechtsberatung der Handwerkskammer und der Artikel Datenschutz und DSGVO.

Die häufigsten Stolpersteine

Marketing scheitert selten am Geld, sondern an Kontinuität und Klarheit:

StolpersteinAbhilfe
Alles auf einmalMit der Basis anfangen – Google-Profil, Website, Empfehlungen – und dann einen Kanal nach dem anderen.
Profile, die einschlafenLieber ein Kanal, der regelmäßig gepflegt wird, als fünf, die verwaist sind.
Austauschbare Sprüche„Qualität, Zuverlässigkeit, Kundennähe“ sagt jeder. Konkrete Projekte und ein klarer Schwerpunkt überzeugen.
Herstellerbilder statt eigener ProjekteEigene Fotos, auch einfache, wirken glaubwürdiger – und es gibt keinen Ärger mit Bildrechten.
Anfragen, die nicht passenSchwerpunkt und Preisrahmen auf der Website nennen – das filtert vorab.
Kein Blick auf die ZahlenJede Anfrage nach der Quelle fragen und einmal im Quartal auswerten.
Langsame AntwortenDie beste Werbung verpufft, wenn Anfragen tagelang liegen bleiben.
Download-Bereich

Vorlagen für Kundengewinnung

Das Kundendatenblatt fragt bei jeder Anfrage, wie der Kunde auf den Betrieb aufmerksam wurde. Die Anfragen- und Marketing-Auswertung macht daraus Zahlen je Kanal – Abschlussquote, Auftragswert und Kosten pro Auftrag. Das Übergabeblatt holt bei der Abnahme die Einwilligung für Projektfotos und für eine spätere Nachfrage mit Bitte um eine Bewertung ein.

Zum Download-Bereich
Vorschau der Vorlage „Kundendatenblatt“Vorschau der Vorlage „Anfragen- und Marketing-Auswertung“Vorschau der Vorlage „Übergabeblatt mit Pflegehinweisen“

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel sollte eine Schreinerei für Marketing ausgeben?

Eine Prozentzahl, die für jeden Betrieb passt, gibt es nicht. Sinnvoll ist, mit den Maßnahmen zu beginnen, die vor allem Zeit kosten – Google-Profil, Website, Projektfotos, Empfehlungen – und für jeden bezahlten Kanal nachzurechnen, was ein Auftrag darüber kostet. Der Kanal-Rechner in diesem Artikel zeigt, ob ein Kanal mehr bringt, als er kostet.

Brauche ich eine Website, wenn ich ein Google-Profil habe?

Ja. Das Google-Profil sorgt dafür, dass der Betrieb gefunden wird, die Website dafür, dass Kunden ihm vertrauen: Projekte, Team, Ablauf, Preisrahmen. In einer Bitkom-Umfrage von 2025 nannten 40 Prozent der Befragten eine fehlende Website als Ausschlusskriterium bei der Wahl eines Handwerksbetriebs.

Welche Social-Media-Plattform passt zu einer Schreinerei?

Für Privatkunden in der Region meist Instagram, ergänzt durch Facebook, für Wohnideen Pinterest, für Architekten, Planer und Gewerbekunden LinkedIn, für Azubis Instagram, YouTube und TikTok. Wichtiger als die Wahl ist, dass der Kanal regelmäßig gepflegt wird – lieber einer richtig als drei nebenbei.

Lohnen sich Handwerkerportale?

Das hängt davon ab, was ein Auftrag darüber kostet. Portale vermitteln Anfragen gegen Gebühr; oft erhalten mehrere Betriebe dieselbe Anfrage, und der Preis spielt dann eine große Rolle. Vor dem Start Laufzeit und Kosten pro Kontakt prüfen und nach einem Quartal mit dem Kanal-Rechner nachrechnen.

Darf ich mit „Meisterbetrieb“ werben?

Ja, wenn ein Meister den Betrieb leitet. Werbung mit Titeln, Innungs- oder Verbandszugehörigkeit, Gütezeichen oder Auszeichnungen, die nicht zutreffen, ist irreführend und kann abgemahnt werden (§ 5 UWG).

Darf ich Fotos von Kundenprojekten veröffentlichen?

Mit Zustimmung des Kunden, am besten schriftlich – zum Beispiel im Übergabeblatt bei der Abnahme. Namen, Adressen und Personen gehören nicht auf die Bilder; sind Personen erkennbar, braucht es deren Einwilligung. Fotos eines Fotografen dürfen nur im vereinbarten Umfang genutzt werden.

Wie bekomme ich mehr Google-Bewertungen?

Indem man fragt: persönlich bei der Abnahme, mit einer Karte mit QR-Code zum Profil. Bewertungen dürfen nicht mit Rabatten oder Geschenken belohnt werden, und per E-Mail braucht die Bitte die Einwilligung des Kunden. Auf jede Bewertung antworten – das lesen auch künftige Kunden.

Muss meine Website barrierefrei sein?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 vor allem für Online-Shops und Buchungsfunktionen gegenüber Verbrauchern. Eine reine Info-Website fällt in der Regel nicht darunter, und Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Gut lesbare Schrift, klare Kontraste und Bildbeschreibungen helfen trotzdem allen Besuchern.

Weiterführend

Wie aus einer Anfrage ein Auftrag wird und wie Bewertungen richtig eingeholt werden, zeigt die Kundenkommunikation, wie sich ein klarer Schwerpunkt in den Preisen niederschlägt, Preisgestaltung und Wirtschaftlichkeit. Was beim Umgang mit Daten und Fotos gilt, erklärt Datenschutz und DSGVO.