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🌲 Eibe – Holzart im Überblick

(Gemeine Eibe | Europäische Eibe | Taxus)

STECKBRIEF

  • Deutscher Name: Gemeine Eibe (Taxus baccata). Sie ist der älteste und schattenverträglichste Nadelbaum Europas.

  • Botanische Bezeichnung: Taxus baccata – Familie: Taxaceae (Eibengewächse).

  • Verbreitung: Europa, Nordafrika und Westasien. Heute findet man sie wild nur noch selten (oft in Naturschutzgebieten), häufiger jedoch in Parks, Gärten und auf Friedhöfen.

Die Eibe ist die „Legende unter den Hölzern“. Obwohl sie zu den Nadelbäumen zählt, besitzt sie Eigenschaften, die selbst die härtesten Laubhölzer in den Schatten stellen. Sie ist das elastischste und zugleich schwerste heimische Nadelholz und erlangte Weltruhm durch den Bau der legendären englischen Langbögen.

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Herkunft & Arten

Die Eibe wächst extrem langsam und kann ein biblisches Alter von über 1.000 Jahren erreichen.

  • Gemeine Eibe: Die einzige in Europa heimische Art. Aufgrund massiver Ăśbernutzung im Mittelalter (wegen des Bogenbaus) ist sie heute streng geschĂĽtzt.

  • Pazifische Eibe (Taxus brevifolia): Bekannt aus Nordamerika, vor allem fĂĽr die Gewinnung des Wirkstoffs Taxol (Medizin).

  • VerfĂĽgbarkeit: Eibenholz ist im regulären Handel kaum zu finden. Es stammt meist aus Gartenrodungen oder genehmigten Entnahmen und wird als kostbares Edelholz gehandelt.

Holzbild & Struktur

  • Farbe: 

    • Splintholz: Sehr schmal und hellgelb bis weiĂźlich.

    • Kernholz: AuĂźergewöhnlich farbenfroh. Es reicht von orange-braun ĂĽber rotbraun bis hin zu violetten Tönen. Unter Lichteinfluss dunkelt es wunderschön nach.

  • Jahrringe: Extrem eng und fein (aufgrund des langsamen Wuchses). Oft finden sich ĂĽber 10 Jahrringe auf nur einem Millimeter.

  • Harzkanäle: Nicht vorhanden. Die Eibe ist das einzige heimische Nadelholz ohne Harz, was die Bearbeitung sehr sauber macht.

  • Besonderheiten: Häufig treten kleine Punktäste („Vogelaugen“) und ein unregelmäßiger Wuchs auf, was dem Holz eine fast marmorierte, sehr dekorative Optik verleiht.

Verwendung

Wegen seiner Seltenheit wird die Eibe nur fĂĽr speziellste Anwendungen genutzt:

  • Bogenbau: Bis heute das unangefochtene Spitzenmaterial fĂĽr den Bau von traditionellen Langbögen (wegen der extremen Elastizität).

  • Kunstschreinerei: Exklusive Furniere, Intarsien und wertvolle Schmuckschatullen.

  • Drechslerarbeiten: Schreibgeräte, Schalen und kunstvolle Dosen.

  • Instrumentenbau: Historische Lauten, Flöten und Zierteile an hochwertigen Instrumenten.

  • Restaurierung: Ergänzung von antiken Möbeln aus der Barock- oder Biedermeierzeit.

Eigenschaften

Eibenholz ist extrem schwer, hart, zäh und außergewöhnlich elastisch.

Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:

Sehr dauerhaft (Klasse 2). Das Kernholz ist extrem resistent gegen Pilze und Insekten und ĂĽberdauert im AuĂźenbereich viele Jahrzehnte. Aufgrund des Preises wird es jedoch fast nur innen verwendet.

Bearbeitung:
  •  Gut: Trotz der Härte lässt es sich hervorragend sägen, hobeln und schnitzen. Es ergibt Oberflächen von spiegelartiger Glätte.
  • Oberflächen: Nimmt Ă–le und Polituren perfekt an. Der natĂĽrliche Glanz des Holzes ist unvergleichlich.

  • Trocknung: Trocknet relativ gut, neigt aber aufgrund der hohen Dichte zu feinen Oberflächenrissen. Einmal trocken, ist es extrem formstabil.

Wichtiger Warnhinweis: Nahezu alle Teile der Eibe (Nadeln, Holz, Samen) sind hochgiftig (Taxin). Beim Schleifen ist eine absolut staubfreie Absaugung und das Tragen einer Atemschutzmaske zwingend erforderlich!

Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %)0,65–0,80 g/cm³
Druckfestigkeit55–65 N/mm²
Biegefestigkeit80–110 N/mm²
Elastizitätsmodul10 000–12 000 N/mm²
Härte (Brinell, ⊥ zur Faser)30–35 N/mm²
pH-Wert4,5-5,5
NatĂĽrliche DauerhaftigkeitKlasse 2 (nach DIN-EN 350-2)

Besonderheiten & Hinweise

  •  Bogenphysik: Die Kombination aus dem druckfesten Kernholz (Innenseite des Bogens) und dem elastischen Splintholz (AuĂźenseite) macht die Eibe zum perfekten natĂĽrlichen Verbundwerkstoff.
  • Artenschutz: Die Eibe steht unter dem besonderen Schutz der Bundesartenschutzverordnung. Der legale Erwerb sollte immer dokumentiert sein.

  • Tipp fĂĽr Schreiner: Da Eibe oft sehr astig und „wild“ wächst, sollte man beim Zuschnitt Zeit einplanen, um die schönsten Maserungsbilder aus dem meist kleinen Stammmaterial herauszuarbeiten.

Fazit

Die Eibe ist das Juwel der Nadelhölzer. Wer das Glück hat, ein Stück dieses seltenen Holzes zu bearbeiten, wird mit einer Farbtiefe und technischen Perfektion belohnt, die ihresgleichen sucht. Es ist ein Holz für Meisterstücke, die Generationen überdauern sollen.

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