Erle – Holzart im Überblick
(Schwarz-Erle | Roterle | Grau-Erle | Eller)
STECKBRIEF
Deutscher Name: Schwarz-Erle (Alnus glutinosa). Sie ist die wichtigste Erlenart fĂĽr die Holzverwendung. Daneben gibt es die Grau-Erle und die GrĂĽn-Erle.
Botanische Bezeichnung: Alnus glutinosa – Familie: Betulaceae (Birkengewächse).
Verbreitung: In ganz Europa verbreitet, vom Norden bis in den Mittelmeerraum sowie in Westasien und Nordafrika. Sie wächst bevorzugt an feuchten Standorten wie Bachläufen, Flüssen und in Bruchwäldern.
Die Erle ist das „Chamäleon der Möbelindustrie“. Da ihr Holz eine sehr gleichmäßige, feine Struktur besitzt und sich hervorragend farblich verändern lässt, wird es oft genutzt, um edlere Hölzer wie Kirschbaum oder Mahagoni zu imitieren. Zudem verbirgt sich hinter diesem weichen Holz ein historisches Geheimnis: Venedig wurde zu großen Teilen auf Pfählen aus Erlenholz erbaut.
Herkunft & Arten
In Mitteleuropa sind vor allem zwei Arten fĂĽr das Handwerk von Bedeutung:
Schwarz-Erle: Das klassische Nutzhölzer. Sie liefert das rötlich-gelbe Holz, das wir als Erle kennen.
Grau-Erle (Alnus incana): Das Holz ist meist etwas heller und leichter, wird aber oft zusammen mit der Schwarz-Erle verarbeitet.
Amerikanische Roterle (Alnus rubra): Ein wichtiges Importholz aus Nordamerika, das häufig im Gitarrenbau (z. B. für Fender-Gitarren) eingesetzt wird.
Holzbild & Struktur
Farbe:Â Splint- und Kernholz sind farblich identisch.
- Im frischen Zustand ist das Holz fast weiß, färbt sich aber durch Oxidation bei Kontakt mit Sauerstoff sofort auffällig orange-rot (das sogenannte „Bluten“ der Erle).
Nach der Trocknung ist es rötlich-weiß bis rötlich-gelb oder hell rötlich-braun.
Jahrringe: Nur schwach erkennbar, was zu einer sehr ruhigen, fast strukturlosen Oberfläche führt.
Poren: Zerstreutporig und sehr fein. Sie sind mit bloĂźem Auge kaum wahrnehmbar.
Besonderheiten: Typisch sind häufige Markflecken (kleine dunkle Striche oder Flecken), die das Holzbild beleben.
Verwendung
Erlenholz ist ein klassisches Innenausbau- und Spezialholz:
Möbelbau: Sehr beliebt für Massivholzmöbel (Schlafzimmer, Wohnwände), oft in Kombination mit Beizen in anderen Holztönen.
Musikinstrumente: Standardholz fĂĽr den Korpus von E-Gitarren (wegen der guten Resonanzeigenschaften) und fĂĽr Orgelpfeifen.
Wasserbau: Da Erle unter Wasser extrem dauerhaft ist, wird sie für Pfahlgründungen, Schleusen und Brunnenkästen genutzt.
Modellbau & Spielzeug: Aufgrund der Weichheit und Splitterfreiheit ideal fĂĽr Kinderspielzeug und GieĂźereimodelle.
Schnitzerei & Drechslerei: Ein geschätztes Holz für Anfänger und Profis, da es sich leicht in alle Richtungen bearbeiten lässt.
Eigenschaften
Erlenholz ist ein leichtes bis mittelschweres, weiches Laubholz.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
An der Luft: Nicht dauerhaft (Klasse 5). Es verrottet im Freien sehr schnell.
Unter Wasser: Extrem dauerhaft. In dauerfeuchtem Zustand erreicht es eine Haltbarkeit, die fast an die Eiche heranreicht.
Bearbeitung:
- Â
Exzellent: Lässt sich hervorragend sägen, hobeln, fräsen und schnitzen. Es neigt kaum zum Splittern.
Oberflächen: Eines der besten Hölzer zum Beizen und Lackieren. Es nimmt Oberflächenmittel sehr gleichmäßig an.
Trocknung: Trocknet schnell und gut mit nur geringer Neigung zum ReiĂźen oder Werfen.
Tipp: Wegen seiner Weichheit ist Erlenholz empfindlich gegenĂĽber Druckstellen. Bei der Montage und beim Transport ist Vorsicht geboten.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,52–0,55 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 45–50 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 85–95 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 7 700–11 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 12–15 N/mm² |
| pH-Wert | 5,0-6,0 |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 5 (Luft) (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
Mahagoni-Ersatz: Durch spezielle Beizen kann Erlenholz so täuschend echt wie Mahagoni oder Kirschbaum aussehen, dass es oft als „Edelholz-Ersatz“ im günstigeren Preissegment dient.
Oxidation: Erschrecke nicht beim Aufschneiden! Die intensive orangerote Farbe verblasst im Laufe der Trocknung wieder zu einem warmen Gelbbraun.
Schrauben & Nägel: Aufgrund der geringen Härte halten Schrauben und Nägel gut, können aber bei zu hoher Belastung leichter ausreißen als in Eiche oder Buche.
Tipp für Schreiner: Erlenholz ist sehr homogen. Das macht es perfekt für Blindhölzer oder Innenteile von hochwertigen Möbeln, da es kaum „arbeitet“.
Fazit
Die Erle ist das perfekte Einsteigerholz für die Schreinerei und ein unverzichtbarer Allrounder für den Innenausbau. Sie bietet eine warme Ästhetik, lässt sich spielend leicht verarbeiten und ist dank ihrer ökologischen Verfügbarkeit eine nachhaltige Wahl für moderne Massivholzmöbel.