Nussbaum – Holzart im Überblick
(Europäischer Nussbaum | Amerikanischer Nussbaum | Black Walnut)
STECKBRIEF
Deutscher Name: Echter Walnussbaum (Europäischer Nussbaum) und Schwarznuss (Amerikanischer Nussbaum). Er gilt seit der Renaissance als eines der begehrtesten Möbelhölzer für luxuriöse Inneneinrichtungen.
Botanische Bezeichnung: Juglans regia (Europa) / Juglans nigra (Amerika) – Familie: Juglandaceae (Walnussgewächse).
Verbreitung: Südeuropa, Mitteleuropa, Zentralasien sowie weite Teile Nordamerikas. Er wächst meist einzeln oder in kleinen Gruppen in Gärten, Parks oder lichten Wäldern.
Der Nussbaum ist das „Juwel“ der Schreinerei. Mit seiner dunklen, lebendigen Färbung und seiner exzellenten Bearbeitbarkeit steht er für höchste Qualität, Exklusivität und zeitlose Eleganz im gehobenen Möbelbau.
Herkunft & Arten
In der Schreinerei wird strikt zwischen der europäischen und der amerikanischen Variante unterschieden, da sie sich optisch deutlich differenzieren:
Europäischer Nussbaum (Juglans regia): Oft etwas heller, graubraun mit sehr lebendiger Zeichnung und teilweise markanten Farbunterschieden. Er ist seltener und daher meist teurer.
Amerikanischer Nussbaum (Juglans nigra / Black Walnut): Die Standardwahl für dunkle Möbel. Das Holz ist gleichmäßiger dunkelbraun, oft mit einem violetten Schimmer, und meist in größeren Dimensionen verfügbar.
Französischer Nussbaum: Gilt oft als besonders farbschön und wird wegen seiner feinen Textur für Luxusmöbel geschätzt.
Holzbild & Struktur
Farbe:Â
Splintholz: Breit, hellgelb bis weißlich-grau (wird oft durch Dämpfen farblich angeglichen).
Kernholz: Mattbraun bis schwarzbraun, oft mit dunklen Adern durchzogen. Amerikanischer Nussbaum ist meist dunkler und homogener als europäischer.
Jahrringe: Deutlich sichtbar, was zu einer dekorativen Fladerung oder Streifung fĂĽhrt.
Poren: Halbringporig. Die Poren sind im Frühholz etwas größer und im Längsschnitt als feine Nadelrisse erkennbar.
Besonderheiten: Häufig treten welliger Faserverlauf, „Wimmerwuchs“ oder Maserknollen auf, die extrem wertvolle Furnierbilder (Wurzelnuss) ergeben.
Das Holzbild wirkt aristokratisch, warm und sehr kontrastreich. Es besitzt einen natĂĽrlichen, matten Glanz.
Verwendung
Aufgrund des hohen Preises wird Nussbaum gezielt dort eingesetzt, wo die Optik im Vordergrund steht:
Hochwertiger Möbelbau: Massivholzmöbel, Tische, Sideboards und exklusive Einzelstücke.
Innenausbau: Parkett, Wandverkleidungen und TĂĽren im Luxussegment.
Innenausbau von Fahrzeugen: Armaturenbretter in Luxusautos und Yachten.
Instrumentenbau: Klaviere, Gitarrenkorpusse und hochwertige Gehäuse.
Spezialanwendungen: Gewehrschäfte (aufgrund der Zähigkeit und geringen Schwindung) sowie exklusive Schreibgeräte und Accessoires.
Eigenschaften
Nussbaum ist ein mittelschweres, hartes und sehr zähes Edelholz mit hervorragender Standfestigkeit.
Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:
Mäßig dauerhaft (Klasse 3). Für den Außenbereich ist Nussbaum zu wertvoll und nicht ausreichend witterungsbeständig. Es ist ein reines Innenholz.
Bearbeitung:
- Exzellent: Lässt sich hervorragend sägen, hobeln, fräsen und drechseln. Er ergibt extrem glatte und saubere Flächen.
- Oberflächen: Nimmt Öle, Wachse und Lacke hervorragend an. Besonders durch Ölen kommt die Tiefe der dunklen Farbe perfekt zur Geltung.
- Biegen: Nussbaum lässt sich (ähnlich wie Buche) sehr gut dämpfen und biegen.
Trocknung: Trocknet langsam, ist aber nach der Trocknung sehr formstabil („steht gut“).
Tipp: Achten Sie beim Kauf von Massivholz darauf, ob das Holz „gedämpft“ wurde. Dämpfen macht den hellen Splint dunkler und das Holz insgesamt farblich homogener, nimmt ihm aber manchmal den typischen violetten Schimmer.
Technische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %) | 0,64–0,68 g/cm³ |
| Druckfestigkeit | 45–58 N/mm² |
| Biegefestigkeit | 85–100 N/mm² |
| Elastizitätsmodul | 11 000–13 000 N/mm² |
| Härte (Brinell, ⊥ zur Faser) | 26–30 N/mm² |
| pH-Wert | 4,5-5,0 |
| NatĂĽrliche Dauerhaftigkeit | Klasse 3 (nach DIN-EN 350-2) |
Besonderheiten & Hinweise
Farbausgleich: Der helle Splint wird oft weggeschnitten oder durch Beizen/Dämpfen farblich an den Kern angepasst, da er sonst optisch zu stark absticht.
Lichteinfluss: Im Gegensatz zu vielen Nadelhölzern dunkelt Nussbaum nicht nach, sondern wird unter starkem UV-Licht mit der Zeit etwas heller und goldbrauner.
Poren füllen: Wer eine Hochglanzoberfläche wünscht, muss bei Nussbaum die Poren sorgfältig füllen (z. B. mit Bimsmehl oder Grundierfüller).
- Tipp für Schreiner: Nussbaumholz hat einen sehr feinen Staub bei der Bearbeitung, der bei manchen Menschen Schleimhautreizungen auslösen kann. Eine gute Absaugung ist hier besonders wichtig.
Fazit
Der Nussbaum ist der König der Möbelhölzer. Er bietet dem Schreiner nicht nur eine ästhetische Perfektion, sondern auch technische Eigenschaften, die das Arbeiten zum Vergnügen machen. Ein Projekt aus Nussbaum ist immer ein Statement für Handwerkskunst und Luxus.