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🌳 Robinie - Holzart im Ăśberblick

(Falsche Akazie | Scheinakazie | Silberregen | Akazie)

STECKBRIEF

  • Deutscher Name: Robinie (Robinia pseudoacacia). Im Handel wird sie oft fälschlicherweise als „Akazie“ bezeichnet, obwohl sie botanisch nicht mit der echten Akazie verwandt ist.

  • Botanische Bezeichnung: Robinia pseudoacacia – Familie: Fabaceae (HĂĽlsenfrĂĽchtler).

  • Verbreitung: UrsprĂĽnglich aus Nordamerika stammend, heute in ganz Europa, Nordafrika und Asien weit verbreitet. Sie gilt als extrem anpassungsfähig und trockenheitsresistent.

Die Robinie ist das „Kraftpaket für draußen“. Es ist das einzige in Europa kultivierte Holz, das die Dauerhaftigkeitsklasse 1 erreicht. Wo andere Hölzer verrotten, fängt die Robinie gerade erst an, und das ganz ohne chemischen Holzschutz.

Herkunft & Arten

Die Robinie wurde im 17. Jahrhundert als Zierbaum nach Europa gebracht und hat sich seitdem als wichtiger Forstbaum etabliert.

  • Falsche Akazie: Der Name rĂĽhrt von der Ă„hnlichkeit der gefiederten Blätter mit den echten afrikanischen Akazien her.

  • Wirtschaftliche Bedeutung: Aufgrund des Klimawandels gewinnt die Robinie in Europa massiv an Bedeutung, da sie mit Hitze und kargen Böden hervorragend zurechtkommt.

Holzbild & Struktur

  • Farbe: 

    • Splintholz: Sehr schmal und hellgelb bis weiĂźlich.

    • Kernholz: Im frischen Zustand gelblich-grĂĽn bis olivbraun. Unter Lichteinfluss dunkelt es zu einem edlen goldbraunen Ton nach.

  • Jahrringe: Sehr deutlich abgegrenzt. Die Robinie ist ringporig, was zu einer sehr lebhaften und markanten Zeichnung (Fladerung) fĂĽhrt.

  • Poren: Die groĂźen FrĂĽhholzporen sind verthyllt (verstopft), was das Holz extrem undurchlässig fĂĽr FlĂĽssigkeiten macht.

  • Besonderheit: Robinienholz ist fluoreszierend. Unter UV-Licht leuchtet es gelblich-grĂĽnlich.

Eigenschaften

Robinienholz ist extrem schwer, hart und zäh. Es übertrifft in seinen Festigkeitswerten sogar die Eiche deutlich.

Dauerhaftigkeit & Beständigkeit:

Höchste Dauerhaftigkeit (Klasse 1–2). Es ist extrem resistent gegen Pilze, Insekten und Witterungseinflüsse, selbst bei direktem Erdkontakt.

Bearbeitung:
  •  Anspruchsvoll: Wegen der extremen Härte ist die Bearbeitung kraftaufwendig. Werkzeuge stumpfen schnell ab (HartmetallbestĂĽckung empfohlen).
  • Verbindungen: Vorbohren ist zwingend erforderlich, da das Holz sonst sofort spaltet. Leimverbindungen sind aufgrund der Holzinhaltsstoffe manchmal schwierig; alkalische Leime können Flecken verursachen.

  • Oberflächen: Lässt sich gut beizen und lackieren, wird aber meist geölt, um die natĂĽrliche Farbe zu betonen.

  • Trocknung: Trocknet sehr langsam und neigt stark zum Verwerfen und ReiĂźen.

Wichtiger Warnhinweis: Rinde, Blätter und Samen der Robinie sind giftig. Beim Schleifen entsteht feiner Staub, der die Schleimhäute reizen kann. Eine leistungsstarke Absaugung und Atemschutz sind hier Pflicht!

Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
Rohdichte (lufttrocken, 12–15 %)0,72–0,80 g/cm³
Druckfestigkeit55–75 N/mm²
Biegefestigkeit120–160 N/mm²
Elastizitätsmodul13 000–15 000 N/mm²
Härte (Brinell, ⊥ zur Faser)40–48 N/mm²
pH-Wert4,0-5,0
NatĂĽrliche DauerhaftigkeitKlasse 1-2 (nach DIN-EN 350-2)

Verwendung

Dank ihrer extremen Härte und Beständigkeit ist die Robinie der Spezialist für Extremsituationen:

  • AuĂźenbau: Spielplatzgeräte, Terrassendielen, BrĂĽckenbau und Gartenmöbel.

  • Landwirtschaft: Weinbergpfähle, Zaunpfosten und Hopfenstangen (hält im Erdkontakt oft ĂĽber 20-30 Jahre).

  • Innenausbau: Parkettböden fĂĽr extrem beanspruchte Bereiche und rustikale Möbel.

  • Spezialanwendungen: Schiffsbau, Schwellenbau und Werkzeugstiele.

Besonderheiten & Hinweise

  • Akazie vs. Robinie: Achten Sie im Handel auf die Bezeichnung. Oft wird billiges Plantagenholz als „Akazie“ verkauft, das technisch nicht an die Qualität der echten europäischen Robinie heranreicht.

  • Korrosion: Wie die Eiche enthält auch die Robinie Gerbstoffe, die bei Kontakt mit Eisen zu schwarzen Verfärbungen fĂĽhren. Verwenden Sie im AuĂźenbereich nur Edelstahlschrauben.

  • Tipp fĂĽr Schreiner: Da die Robinie oft krumm wächst und viele Spannungen im Holz hat, ist beim Zuschnitt von Massivholz eine kluge Holzauswahl (wenig Markröhre) entscheidend, um späteren Verzug zu minimieren.

Fazit

Die Robinie ist das ökologische Hightech-Holz unserer Breiten. Wer ein heimisches Holz sucht, das tropischen Hölzern in Sachen Langlebigkeit und Härte überlegen ist, kommt an der Robinie nicht vorbei. Für den Schreiner ist sie eine Herausforderung, die durch extrem langlebige und charakterstarke Werkstücke belohnt wird.