Das Stangenscharnier wird umgangssprachlich Klavierband genannt, weil es früher vor allem an Klavierdeckeln saß. Es ist ein durchgehendes Band, das über die ganze Länge einer Kante geschraubt wird. Anders als zwei oder drei einzelne Scharniere trägt es die Klappe auf ganzer Länge und verteilt die Last auf viele Schrauben.
Aufbau
Zwei schmale Blechschenkel sind an einer Längskante zu Ösen gerollt. Die Ösen beider Schenkel greifen abwechselnd ineinander, ein durchgehender Dorn hält sie zusammen. Die Schenkel haben vorgestanzte, gesenkte Löcher für Senkkopfschrauben.
Das Band wird als Stange geliefert und mit der Metallsäge auf Länge gekürzt. Eingebaut wird es auf zwei Arten:
- Aufgeschraubt – die Schenkel liegen auf den Kanten. Zwischen Deckel und Korpus bleibt eine Fuge von zwei Blechstärken.
- Eingelassen – die Schenkel liegen in flachen Falzen, so tief wie das Blech dick ist. Deckel und Korpus schließen dann fast fugenlos, sichtbar bleibt nur die Rolle.

Eigenschaften
- Die Last verteilt sich auf die ganze Länge. Lange Klappen und Deckel verziehen sich weniger und hängen an den Enden nicht durch.
- Viele Schrauben in kurzem Abstand halten auch in dünnen Platten und Sperrholz, wo ein einzelnes Scharnier ausreißen würde.
- Das Band lässt sich nach der Montage nicht verstellen. Es muss gerade und an der richtigen Stelle sitzen.
- Das Band selbst begrenzt den Öffnungswinkel nicht. Fällt ein Deckel nach hinten, reißt er die Schrauben aus – Deckel brauchen deshalb eine Deckelstütze oder einen Klappenhalter.
- Die Rolle bleibt sichtbar. In Messing oder Edelstahl wird sie auch bewusst als Gestaltungselement eingesetzt.
Verwendung
- Truhen, Kisten und Werkzeugkästen
- Lange Klappen an Sideboards, Sekretären und Schränken
- Deckel von Sitztruhen und Bänken
- Feuchte Räume und Außenbereich in Edelstahl
Verarbeitung
- Beim Kürzen die Schnittkanten entgraten und die Dornenden leicht anstauchen, damit der Dorn nicht herauswandert.
- Das Band etwas kürzer als die Kante zuschneiden und mittig setzen, damit es an den Ecken nicht übersteht.
- Jedes vorgestanzte Loch mit einer passenden Senkkopfschraube besetzen; Schraubenlöcher vorbohren, damit die Schrauben gerade sitzen und das Holz nicht spaltet.
- Für Außenbereich und Feuchträume Edelstahl wählen; vernickelter oder vermessingter Stahl rostet dort.
Anleitung: Klavierband an einem Deckel montieren
Eingelassenes Klavierband
- 1
Band ablängen
Die Kantenlänge messen, das Band mit der Metallsäge etwas kürzer zuschneiden, entgraten und die Dornenden anstauchen.
- 2
Falze anreißen und fräsen
Die Schenkelbreite an Korpuskante und Deckel anreißen. Beide Falze so tief fräsen, wie das Blech dick ist; die Rolle steht hinten über.
- 3
Band am Korpus befestigen
Das Band in den Falz des Korpus legen, ausrichten, die Löcher vorbohren und zuerst an beiden Enden und in der Mitte verschrauben.
- 4
Deckel aufsetzen und verschrauben
Den Deckel ausgerichtet auflegen, den zweiten Schenkel verschrauben und die Bewegung prüfen. Erst dann alle übrigen Schrauben setzen und eine Deckelstütze montieren.
Technische Daten
| Lieferform | Stangen von etwa 1 bis 3,5 m, auf Länge kürzbar |
|---|---|
| Breite (aufgeklappt) | meist 20–40 mm |
| Materialstärke | etwa 0,6–1,5 mm |
| Material | Stahl vernickelt oder vermessingt, Messing, Edelstahl, Aluminium |
| Befestigung | Senkkopfschrauben in den vorgestanzten, gesenkten Löchern |
| Verstellbar | nein – das Band muss genau sitzen |
Fazit
Das Stangenscharnier ist die richtige Wahl, wo Einzelscharniere an ihre Grenzen kommen: bei langen, dünnen oder stark beanspruchten Klappen und Deckeln. Dafür bleibt es sichtbar und lässt sich nicht nachstellen. Für Möbeltüren, die unsichtbar angeschlagen und justiert werden sollen, ist das Topfscharnier die bessere Wahl.
