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Topfscharnier

Scharniere· 35-mm-Scharnier· EN 15570
MöbelscharnierTopfbandCup Hinge
Topfscharnier

Das Topfscharnier, auch Topfband genannt, ist das Standardscharnier für Möbeltüren aus Holzwerkstoffen. In der Tür sitzt ein runder Topf in einer 35-mm-Sacklochbohrung, am Korpus eine Montageplatte, und der Scharnierarm verbindet beide. Bei geschlossener Tür ist von außen nichts zu sehen, und über Stellschrauben lässt sich die Tür nach der Montage noch ausrichten.

Aufbau

Ein Topfscharnier besteht aus drei Teilen. Auf dem Titelbild ist die Tür geöffnet, sodass man Arm, Gelenkhebel und Topf sieht.

  • Topf – sitzt in der Bohrung der Tür und wird eingepresst (mit Spreiz- oder Einpressdübeln) oder angeschraubt. Im Topf liegt das Gelenk.
  • Scharnierarm – führt vom Topf zur Montageplatte. Vorn greifen zwei Gelenkhebel in den Topf; sie bewegen die Tür beim Öffnen so, dass sie nicht an der Korpusseite anschlägt. Auf dem Arm sitzen die Stellschrauben für Seite und Tiefe, hinten die Clip-Taste zum Aushängen. Bei den meisten Scharnieren zieht eine Feder die Tür auf den letzten Grad zu.
  • Montageplatte – wird am Korpus in die Lochreihe geschraubt. Der Arm wird aufgeclipst oder aufgeschoben und festgeschraubt, die Höhe stellt man meist an der Platte ein.
Topfscharnier: Tür mit 35-mm-Bohrung, Scharnier mit Topf und Arm, Korpusseite mit Montageplatte und Lochreihe; rechts eingebaut
Topf, Arm und Montageplatte. ① Topf mit Einpressdübeln, ② Scharnierarm mit Stellschrauben, ③ Kreuzmontageplatte in der Lochreihe der Korpusseite. Blick von innen in den Schrank. Links die Einzelteile, rechts zusammengebaut.

Anschlagarten

Wie die Tür zur Korpusseite steht, bestimmt die Kröpfung des Arms – also wie weit der Arm zwischen Montageplatte und Topf abgewinkelt ist:

  • Vorliegend (aufschlagend) – die Tür deckt die Kante der Korpusseite ab. Der Arm ist gerade, Kröpfung 0 mm. Der Standardfall bei Einzeltüren und an den Außenseiten eines Korpus.
  • Mittelwand (halb aufschlagend) – zwei Türen schlagen auf dieselbe Mittelseite an und decken jeweils etwa die halbe Kante ab. Der Arm ist um etwa 9,5 mm gekröpft.
  • Einliegend – die Tür liegt zwischen den Seiten, ihre Front bündig mit der Korpusvorderkante. Der Arm ist stark gekröpft, je nach Hersteller um etwa 16 mm.
Schnitt durch ein vorliegendes Topfscharnier: Tür vor der Korpusseite, gerader Scharnierarm
Vorliegend. Schnitt in Höhe des Scharniers, Blick von oben in den Schrank: Die Tür liegt vor der Seite, der Arm ist gerade.

Daneben gibt es Sonderformen: Weitwinkelscharniere bis etwa 165–170°, mit denen die Tür weiter aufgeht – etwa damit Innenauszüge an der offenen Tür vorbeikommen –, Winkelscharniere für Eckschränke, Scharniere für dicke Türen, Glastüren und Aluminiumrahmen sowie Scharniere ohne Feder für Push-to-Open. Für dünne Türen gibt es kleinere Töpfe, zum Beispiel mit 26 mm Durchmesser.

Eigenschaften

  • Nach der Montage in drei Richtungen verstellbar: Seite (Fugenbild und Überdeckung), Höhe und Tiefe (Abstand der Tür zum Korpus). So lassen sich Toleranzen ausgleichen, ohne neu zu bohren.
  • Clip-Scharniere lassen sich ohne Werkzeug von der Montageplatte abnehmen und wieder aufsetzen – praktisch beim Lackieren, Transport und Einbau.
  • Die meisten Scharniere schließen selbst (Feder), viele haben eine integrierte Dämpfung. Wo sie fehlt, lässt sich ein Türdämpfer nachrüsten.
  • EN 15570 legt Prüfverfahren und Anforderungen für Festigkeit und Dauerhaltbarkeit von Scharnieren fest. Hersteller geben an, nach welchem Prüflevel ihr Scharnier geprüft ist – ein Anhaltspunkt für die zu erwartende Lebensdauer.
  • Wie viele Scharniere eine Tür braucht, hängt von Höhe, Breite, Gewicht und Material ab. Als Richtwert nennen Hersteller für Türen aus 19-mm-Spanplatte bis 600 mm Breite: bis 900 mm Höhe 2, bis 1600 mm 3, bis 2000 mm 4, bis 2400 mm 5 Scharniere. Schwere oder breite Türen brauchen mehr.

Verwendung

  • Möbeltüren aus Spanplatte, MDF, Multiplex oder Massivholz in Küche, Bad und Wohnbereich
  • Eckschränke mit Winkelscharnieren
  • Schränke mit Innenauszügen hinter der Tür, mit Weitwinkelscharnieren
  • Reparatur und Austausch – die 35-mm-Bohrung ist herstellerübergreifend gleich, Bohrbild und Montageplatte aber nicht immer

Verarbeitung

  • Topfloch mit einem 35-mm-Topfbandbohrer (Forstnerbohrer) und Tiefenanschlag bohren – am besten mit Bohrständer oder Bohrlehre, damit es senkrecht wird.
  • Den Bohrabstand zur Türkante nach Herstellerangabe wählen. Er bestimmt zusammen mit Scharnier und Montageplatte, wie weit die Tür die Seite überdeckt.
  • Topf, Arm und Montageplatte eines Herstellers kombinieren – Bohrbilder und Clip-Aufnahmen passen zwischen Herstellern nicht unbedingt zusammen.
  • Bei schweren oder hohen Türen lieber ein Scharnier mehr setzen; zu wenige Scharniere lassen die Tür absacken.

Anleitung: Topfscharnier montieren

Tür vorbereiten und Scharnier einbauen

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    Scharnierpositionen festlegen

    Die Scharniere meist mit etwa 80–100 mm Abstand von oben und unten setzen, weitere gleichmäßig dazwischen. Die Positionen auf Tür und Korpus gleich anreißen.

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    Topfloch bohren

    Topfmitte = Bohrabstand zur Kante + 17,5 mm. Mit dem 35-mm-Bohrer auf die Topftiefe des Scharniers bohren, nicht tiefer – sonst schlägt der Bohrer bei dünnen Türen durch.

  3. 3

    Topf einsetzen

    Den Arm rechtwinklig zur Türkante ausrichten und den Topf mit den Einpressdübeln eindrücken oder festschrauben.

Montageplatte setzen und Tür einstellen

  1. 1

    Montageplatte anschrauben

    Die Platte in die Lochreihe am Korpus schrauben – bei vorliegenden Türen meist 37 mm hinter der Vorderkante. Die Höhe muss zur Scharnierposition an der Tür passen.

  2. 2

    Tür einhängen

    Den Arm auf die Montageplatte aufclipsen oder aufschieben und festschrauben.

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    Ausrichten

    Erst die Seite einstellen (Fugen zu Nachbartüren gleichmäßig), dann die Höhe, zuletzt die Tiefe, bis die Tür ringsum gleichmäßig am Korpus anliegt.

Technische Daten

TopfbohrungØ 35 mm (Standard) · Tiefe je nach Modell etwa 11–13 mm
Bohrabstand zur Türkanteetwa 3–7 mm, je nach Scharnier und gewünschter Überdeckung
Montageplattein der 32-mm-Lochreihe, bei vorliegenden Türen meist 37 mm hinter der Korpusvorderkante
Kröpfungvorliegend 0 mm · Mittelwand ca. 9,5 mm · einliegend ca. 16 mm (herstellerabhängig)
ÖffnungswinkelStandard etwa 95–110° · Weitwinkelscharniere bis etwa 165–170°
TürdickeStandardscharniere bis etwa 24 mm, dickere Türen mit Sonderscharnieren
VerstellungSeite, Höhe und Tiefe

Fazit

Das Topfscharnier ist die Grundausstattung fast jeder Möbeltür: verdeckt, gut nachstellbar und für jede Anschlagsituation zu haben. Wer die Anschlagart vorher klärt und Topf, Arm und Montageplatte aus einem System nimmt, kommt mit der Standard-Lochreihe aus. Für sichtbare, durchgehende Bänder an Klappen und Deckeln ist das Stangenscharnier die Alternative.