Bei der Stegverbindung wird ein Querholz – der Steg – mit einem langen Zapfen durch ein Seitenteil oder Bein gesteckt. Der Zapfen steht außen über, und durch ein Loch in diesem überstehenden Zapfenkopf wird quer ein Keil getrieben. Der Keil drückt gegen die Außenseite des Seitenteils und zieht so die Brüstung des Stegs fest an. Weil nichts verleimt wird, lässt sich die Verbindung jederzeit lösen: Keil heraustreiben, Steg herausziehen. Zapfenkopf und Keil bleiben als Gestaltungselement sichtbar.
Aufbau
Der Zapfen am Steg ist so lang, dass er nach dem Durchstecken deutlich übersteht – genug, damit das Holz hinter dem Keilloch beim Antreiben nicht abschert. Das Keilloch wird nicht genau an der Außenseite des Seitenteils angerissen, sondern etwa 3 mm weiter innen. So liegt der Keil an der Außenseite des Seitenteils an statt am Ende des Keillochs und kann die Verbindung anziehen. Je nach Lage des Stegs unterscheidet man:
- Gerade Stegverbindung mit senkrechtem Steg – der Steg steht hochkant, etwa die Fußtraverse eines Tisch- oder Werkbankgestells. Der Keil wird senkrecht durch den hohen Zapfen getrieben.
- Gerade Stegverbindung mit waagerechtem Steg – der Steg liegt flach, etwa ein Boden oder Brett, das durch eine Seitenwand gesteckt wird. Meist sind es dann zwei oder mehr Zapfen, jeder mit eigenem Keil.
- Schräge Stegverbindung – das Seitenteil steht schräg, etwa bei gespreizten Beinen. Brüstung und Keilloch werden auf den Winkel des Seitenteils abgestimmt.

Nicht zu verwechseln ist die Stegverbindung mit dem verkeilten, durchgehenden Zapfen: Dort werden Keile in Sägeschnitte im Zapfenende getrieben, spreizen den Zapfen und werden meist verleimt – die Verbindung ist danach nicht mehr lösbar.
Eigenschaften
- Lösbar: Der Keil lässt sich wieder heraustreiben, ohne die Verbindung zu zerstören – praktisch für Möbel und Gestelle, die zerlegt, transportiert oder nachgespannt werden sollen.
- Selbstspannend: Beim Eintreiben des Keils zieht sich die Verbindung zusammen; lockert sie sich mit der Zeit, wird der Keil einfach nachgeschlagen.
- Damit der Keil zieht, braucht es die Luft von etwa 3 mm hinter dem Keil. Liegt der Keil am Ende des Keillochs an, spannt er nicht mehr.
- Ein Keil aus Hartholz hält den Anpressdruck aus, ohne selbst nachzugeben. Die Keilschmiege von etwa 1:10 hält den Keil fest, ohne das Holz zu sprengen.
- Das Holz hinter dem Keilloch, also der überstehende Zapfenkopf, muss lang genug sein – sonst schert es beim Antreiben ab.
Verwendung
- Zerlegbare Werkbänke und Tischgestelle mit Fußtraverse
- Bänke, Böcke und Gestelle, die transportiert oder eingelagert werden
- Regale und Möbel mit durchgesteckten Böden als sichtbares Gestaltungselement
- Bettgestelle und andere große Möbel, die sich nur zerlegt durch die Tür tragen lassen
Verarbeitung
- Steg und Seitenteil zusammen anreißen, die Zapfenlänge mit großzügigem Überstand für den Zapfenkopf festlegen.
- Das Zapfenloch im Seitenteil sauber und gerade durchstemmen; der Zapfen soll stramm, aber ohne Gewalt durchgehen.
- Das Keilloch mit Hilfe des Keils anreißen: Es beginnt etwa 3 mm innerhalb des Seitenteils und folgt außen der Schmiege des Keils.
- Das Keilloch nicht hinterstemmen, damit der Keil auf ganzer Breite gleichmäßig drückt.
- Den Keil aus Hartholz mit einer Schmiege von etwa 1:10 sägen und hochkant eintreiben – die Spannpunkte liegen dann weit auseinander.
Anleitung: von Hand herstellen
Gerade Stegverbindung mit senkrechtem Steg
- 1
Steg und Seitenteil anreißen
Beide Teile auf Maß bringen. Zapfenbreite und -dicke am Steg anreißen, die Zapfenlänge so wählen, dass der Zapfenkopf nach dem Durchstecken deutlich übersteht.
- 2
Zapfenloch im Seitenteil durchstemmen
Von beiden Seiten zur Mitte hin stemmen, damit die Kanten nicht ausreißen. Die Lochwände sauber und gerade halten.
- 3
Zapfen sägen und einpassen
Zapfen sägen und so anpassen, dass er sich stramm, aber ohne Gewalt durchstecken lässt. Die Brüstung muss rundum am Seitenteil anliegen.
- 4
Keilloch anreißen und stemmen
Bei durchgestecktem Zapfen die Außenseite des Seitenteils am Zapfen anzeichnen. Das Keilloch beginnt etwa 3 mm innerhalb dieser Linie und folgt außen der Schmiege des Keils. Nicht hinterstemmen.
- 5
Keil anfertigen und eintreiben
Keil aus Hartholz mit einer Schmiege von etwa 1:10 sägen, hochkant eintreiben, bis die Verbindung spürbar anzieht.
Gerade Stegverbindung mit waagerechtem Steg
- 1
Zapfen einteilen
Bei einem liegenden Brett mehrere Zapfen über die Breite verteilen, die Zwischenräume bleiben als Brüstung stehen.
- 2
Zapfenlöcher und Zapfen wie beim senkrechten Steg
Alle Zapfenlöcher in der Seitenwand gemeinsam anreißen und durchstemmen, die Zapfen einzeln einpassen.
- 3
Je Zapfen ein Keil
Jeder Zapfen bekommt sein eigenes Keilloch mit etwa 3 mm Luft und einen eigenen Keil. Die Keile gleichmäßig antreiben, damit das Brett nicht schief gezogen wird.
Schräge Stegverbindung
- 1
Winkel abnehmen
Den Winkel zwischen Steg und schrägem Seitenteil mit der Schmiege abnehmen und auf Brüstung und Zapfenloch übertragen.
- 2
Zapfenloch schräg durchstemmen
Das Zapfenloch folgt der Richtung des Stegs, nicht der Kante des Seitenteils.
- 3
Keilloch am schrägen Seitenteil anreißen
Die Außenseite des Seitenteils verläuft schräg zum Zapfen. Das Keilloch so anreißen, dass der Keil auf ganzer Breite anliegt – auch hier mit etwa 3 mm Luft.
- 4
Keil eintreiben und kontrollieren
Gleichmäßig antreiben und prüfen, ob die Brüstung rundum dicht anliegt.
Technische Daten
| Keilschmiege | ≈ 1:10 |
|---|---|
| Luft hinter dem Keil | ≈ 3 mm – das Keilloch reicht so weit ins Seitenteil hinein |
| Keilholz | Hartholz, z. B. Buche |
| Keilrichtung | möglichst hochkant, in Richtung der größeren Zapfenbreite |
| Lösbar | ja – Keil heraustreiben |
| Sichtbarkeit | sichtbar (Zapfenkopf und Keil an der Außenseite) |
Fazit
Die Stegverbindung verbindet zwei Dinge, die sich sonst ausschließen: sichtbare, handwerklich reizvolle Gestaltung und echte Lösbarkeit. Für Gestelle und Möbel, die zerlegt, transportiert oder nachgespannt werden sollen, ist sie einer verleimten Zapfenverbindung klar vorzuziehen.
