Projektplanung in der Schreinerei
Jede Anfrage wird zum Projekt und durchläuft dieselben Phasen – von der ersten Anfrage über Angebot, Arbeitsvorbereitung, Produktion und Montage bis zur Rechnung. Eine gut geführte Plantafel zeigt jederzeit, wo jedes Projekt steht, was als Nächstes zu tun ist und ob die Termine noch halten.
Die Plantafel: alle Projekte, alle Phasen
Früher hing sie als Pinnwand oder Magnettafel im Büro: eine Spalte je Phase, ein Kärtchen je Auftrag. Digitale Programme arbeiten nach demselben Prinzip, das dort Kanban heißt – ergänzt um Fälligkeiten, Benachrichtigungen und Anhänge. Bewährt haben sich acht Spalten:
Seitlich wischen, um alle acht Spalten zu sehen.
Anfrage3
Garderobe Flur
Fam. Beispiel
Aufmaß 07.10.MKBadmöbel
Fam. Musterfrau
Rückruf überfälligABEmpfangstheke
Praxis Dr. Muster
Aufmaß 13.10.MK
Angeboten3
Einbauküche
Fam. Weber
nachfassen 08.10.ABTreppenverkleidung
Fam. Schäfer
nachfassen 12.10.MKSchiebetüren
Fam. Koch
gültig bis 30.10.AB
Auftrag erteilt2
Wohnwand
Fam. Neumann
AB bis 06.10.ABHotelzimmer, 12 Stück
Hotel am Markt
Anzahlung offenAB
In AV2
Einbauschrank Dachschräge
Fam. Mustermann
AV bis 09.10.☑ 2/4JSLadeneinrichtung
Café Lindenblatt
Pläne bis 14.10.JS
Produktion2
Küche
Fam. Vogel
fertig bis 16.10.☑ 5/7LWGarderobe
Kita Sonnenschein
fertig bis 21.10.LW
Montagebereit1
Badmöbel
Fam. Lorenz
Montage 20.10.AB
Nacharbeiten1
Wohnzimmerschrank
Fam. Hoffmann
Blende bis 09.10.LW
Rechnung1
Haustür
Fam. Braun
Rechnung bis 06.10.AB
Rechnung gestellt: Karte geht ins Archiv →
Jede Karte wandert von links nach rechts. „Montagebereit“ heißt: gefertigt, der Termin steht. Läuft die Montage ohne Mängel, geht die Karte direkt zur Rechnung, sonst über die Nacharbeiten. Mit der Rechnung verlässt sie die Tafel und wandert ins Archiv – auf der Tafel steht nur, was noch Arbeit macht.
Die Grundregel: Jeder Kunde wird angelegt
Die wichtigste Regel ist zugleich die einfachste: Jede Anfrage wird als Projekt angelegt – auch die Reparatur, der Kleinauftrag und die Anfrage, aus der am Ende nichts wird. Ab dann durchläuft sie dieselbe feste Folge von Phasen. Das zahlt sich mehrfach aus:
- Nichts geht verloren: Rückrufe, Angebote und Nachfassen stehen mit Termin auf der Tafel – nicht auf Zetteln oder im Kopf.
- Alle sehen denselben Stand: Büro, Werkstatt und Montage wissen, was als Nächstes kommt.
- Kunden bekommen sofort Auskunft, wenn sie anrufen – auch wenn die zuständige Person gerade nicht da ist.
- Engpässe fallen früh auf, etwa wenn sich Projekte in der AV stauen, bevor sie Termine kosten.
- Kennzahlen werden messbar: Auftragsquote, Durchlaufzeit und Termintreue lassen sich erst ermitteln, wenn alle Projekte auf der Tafel stehen.
Praxistipp
Die acht Phasen: was passiert und wann es weitergeht
Damit Karten nicht nach Gefühl verschoben werden, braucht jede Spalte drei Festlegungen: was in der Phase passiert, wann die Karte weiterwandert und bis wann das erledigt sein muss. Die Fristen sind Beispiele – entscheidend ist, dass sie für alle gelten und das Programm daran erinnert.
1Anfrage
- Was passiert
- Kunde mit Kontaktdaten, Wunsch und Herkunft der Anfrage anlegen, zurückrufen, beraten und den Aufmaßtermin vereinbaren.
- Weiter, wenn
- Das Angebot ist verschickt.
- Frist und Erinnerung
- Rückmeldung innerhalb von ein bis zwei Arbeitstagen, das Angebot zum Beispiel spätestens zehn Arbeitstage nach dem Aufmaß.
2Angeboten
- Was passiert
- Das Angebot liegt beim Kunden: Rückfragen klären, Varianten nachreichen, nachfassen.
- Weiter, wenn
- Der Kunde erteilt den Auftrag. Bei einer Absage wird der Grund notiert und die Karte archiviert.
- Frist und Erinnerung
- Nachfassen nach etwa einer Woche, Erinnerung vor Ablauf der Bindefrist des Angebots.
3Auftrag erteilt
- Was passiert
- Auftragsbestätigung schicken, vereinbarte Anzahlung anfordern, Montagezeitraum grob festlegen und die Unterlagen für die AV vervollständigen.
- Weiter, wenn
- Auftragsbestätigung verschickt, Anzahlung eingegangen, Aufmaß und Angebot liegen vollständig vor.
- Frist und Erinnerung
- Auftragsbestätigung innerhalb von zwei bis drei Arbeitstagen, Übergabe an die AV mit festem Starttermin.
4In AV
- Was passiert
- Pläne zur Freigabe, Stücklisten, Fertigungsdaten und Materialbestellung – alles, was die Werkstatt zum Start braucht.
- Weiter, wenn
- Pläne freigegeben, Material mit bestätigtem Liefertermin bestellt, Fertigung in der Wochenplanung eingeplant.
- Frist und Erinnerung
- Spätester Abschluss rückwärts vom Montagetermin gerechnet.
5Produktion
- Was passiert
- Zuschnitt, Kante, CNC, Zusammenbau, Oberfläche und Endkontrolle. Rückfragen aus der Werkstatt laufen über die Karte.
- Weiter, wenn
- Alles gefertigt, Endkontrolle bestanden, verpackt und bereit zum Verladen.
- Frist und Erinnerung
- Fertigstellung mit einigen Tagen Puffer vor dem Montagetermin.
6Montagebereit
- Was passiert
- Montagetermin bestätigen, Team, Fahrzeug und Werkzeug einteilen, Ladeliste und Montageunterlagen bereitlegen. Nach der Montage folgt die Abnahme mit Protokoll.
- Weiter, wenn
- Die Abnahme ist erfolgt. Ohne offene Punkte geht es direkt zur Rechnung, sonst in die Nacharbeiten.
- Frist und Erinnerung
- Termin spätestens eine Woche vorher mit dem Kunden bestätigen, Erinnerung am Vortag.
7Nacharbeiten
- Was passiert
- Restarbeiten und Mängel aus dem Abnahmeprotokoll abarbeiten, fehlende Teile nachfertigen oder nachbestellen.
- Weiter, wenn
- Alle Punkte erledigt und vom Kunden bestätigt.
- Frist und Erinnerung
- Erledigungstermin je Punkt mit dem Kunden vereinbaren, damit die Rechnung nicht liegen bleibt.
8Rechnung
- Was passiert
- Schlussrechnung schreiben und Anzahlungen verrechnen, Stunden und Material nachkalkulieren.
- Weiter, wenn
- Mit der Rechnung verlässt die Karte die Tafel und wandert ins Archiv. Zahlungseingang und Mahnwesen laufen in der Buchhaltung weiter.
- Frist und Erinnerung
- Rechnung wenige Tage nach der Abnahme, zum Beispiel innerhalb von drei Arbeitstagen.
Was in den Phasen davor und danach im Einzelnen zu tun ist, beschreiben die Artikel Aufmaß und Angebotserstellung und Arbeitsvorbereitung.
Was auf jede Projektkarte gehört
Die Karte ist die Akte des Projekts: Wer sie öffnet, soll ohne Rückfrage wissen, worum es geht, wer zuständig ist und was als Nächstes fällig ist.
- Kunde mit Ansprechpartner, Telefon und Adresse
- Kommissions- oder Projektnummer – dieselbe wie auf Angebot, Plänen und Bauteiletiketten
- Genau eine verantwortliche Person
- Fälligkeit der aktuellen Phase und der vereinbarte Montagetermin
- Kalkulierte Stunden für Werkstatt und Montage, als Grundlage für die Kapazitätsplanung
- Checkliste der aktuellen Phase
- Anhänge: Aufmaß, Angebot, Auftragsbestätigung, Pläne mit Index und Fotos
- Verlauf und Notizen statt Absprachen auf Zuruf
Einbauschrank Dachschräge
Fam. Mustermann · Musterweg 5, Musterstadt
- Verantwortlich
- JSJ. Sommer
- Fällig
- AV abgeschlossen bis 09.10.
- Montage
- KW 46, mit dem Kunden vereinbart
- Kalkuliert
- 38 h Werkstatt, 9 h Montage
Checkliste „In AV“2/4
- Pläne vom Kunden freigegeben (erledigt)
- Stückliste geprüft (erledigt)
- Material und Beschläge bestellt (offen)
- Fertigung eingeplant (offen)
Anhänge
Aufmaß.pdfAngebot.pdfPläne Index B.pdfFotos (6)
Verlauf: 29.09. Auftrag erteilt · 30.09. in AV · 01.10. Pläne freigegeben
Termine: rückwärts vom Montagetermin planen
Steht der Montagetermin fest, etwa weil der Kunde einzieht, wird rückwärts gerechnet: Für jede Phase ergibt sich ein spätester Termin. Diese Zwischentermine kommen als Fälligkeit auf die Karte – so fällt eine Verzögerung in der AV auf, solange sich die Montage noch halten lässt. Beispiel für den Einbauschrank von der Projektkarte:
Meilenstein
Montage beim Kunden
- Spätestens
- KW 46
- Warum
- Mit dem Kunden vereinbarter Termin
Meilenstein
Fertigung fertig, Endkontrolle
- Spätestens
- Ende KW 45
- Warum
- Einige Tage Puffer bis zur Montage
Meilenstein
Fertigungsstart
- Spätestens
- KW 44
- Warum
- 38 Werkstattstunden laut Kalkulation, verteilt auf zwei Wochen
Meilenstein
Material im Haus
- Spätestens
- Ende KW 43
- Warum
- Wareneingang vor dem Fertigungsstart prüfen
Meilenstein
Material bestellt
- Spätestens
- KW 41
- Warum
- Lieferzeit für Platten, Kanten und Beschläge etwa zwei Wochen
Meilenstein
Pläne freigegeben, AV abgeschlossen
- Spätestens
- KW 41
- Warum
- Bestellt wird erst nach der Freigabe
Meilenstein
Auftrag erteilt
- Spätestens
- KW 40
- Warum
- Sechs Wochen bis zur Montage
Teile mit langer Lieferzeit wie Glas, Stein, Sonderbeschläge oder Sonderdekore haben eigene Fristen: Die Lieferzeit wird direkt nach dem Auftrag angefragt und die Bestellung so früh wie möglich eingeplant. Gibt es keinen festen Wunschtermin, wird vorwärts geplant – ab dem frühesten Start der AV.
Hängen viele Arbeitsschritte voneinander ab, etwa bei Objekten mit mehreren Gewerken, zeigt eine Zeitleiste (Gantt-Diagramm) die Abhängigkeiten besser als die Tafel. Für die meisten Aufträge einer Schreinerei reichen Phasen mit Fälligkeiten.
Praxistipp
Kapazität: Passt der Auftrag noch in die Woche?
Die Tafel zeigt, wo ein Projekt steht – aber nicht, ob die Werkstatt es schafft. Dafür werden die kalkulierten Stunden der Aufträge den verfügbaren Stunden je Woche gegenübergestellt. Beispiel für eine Werkstattwoche:
Werkstattwoche KW 44 (Beispiel)
- 4 Mitarbeitende × 40 Stunden
- 160 h
- Urlaub und Berufsschule
- − 48 h
- Nebenzeiten wie Aufräumen, Wartung und Rüsten, etwa 15 %
- − 17 h
- Verplanbare Fertigungsstunden
- 95 h
- Bereits verplant für laufende Aufträge
- − 82 h
- Frei für neue Aufträge
- 13 h
Der Einbauschrank braucht in KW 44 rund 19 Stunden – sechs mehr, als frei sind. Also früher beginnen, einen anderen Auftrag verschieben oder Überstunden einplanen. Entscheidend ist, dass das bei der Terminzusage auffällt und nicht erst in KW 44.
Für die Montage gilt dasselbe: Teams, Fahrzeuge und Tage sind begrenzt, Urlaub und Berufsschule stehen lange vorher fest. Viele Betriebe führen dafür einen eigenen Montagekalender neben der Tafel.
Obergrenzen je Spalte
Pinnwand, Kanban-App oder Branchensoftware?
Welche Form der Plantafel passt, hängt vor allem davon ab, wie viele Projekte parallel laufen und wo Angebote und Rechnungen heute entstehen:
Variante
Liste in Excel oder auf Papier
- Stärken
- Kostenlos und sofort startklar, eine Vorlage genügt
- Grenzen
- Keine Erinnerungen, bei vielen Aufträgen schnell unübersichtlich, meist pflegt sie nur eine Person
Variante
Pinnwand oder Magnettafel
- Stärken
- Für alle sichtbar, ohne Anmeldung sofort verständlich
- Grenzen
- Nur vor Ort einsehbar, keine Erinnerungen, keine Anhänge und kein Verlauf
Variante
Kanban-App wie MeisterTask, Planner, Trello oder Asana
- Stärken
- Mobil, Fälligkeiten mit Benachrichtigung, Checklisten und Anhänge je Karte, schnell eingerichtet
- Grenzen
- Kundendaten, Angebote und Rechnungen liegen in anderen Programmen – der Status wird von Hand gepflegt
Variante
CRM- oder Branchensoftware mit Projektpipeline
- Stärken
- Angebot, Auftrag und Rechnung im selben Programm, Erinnerungen und Aufgaben je Phase, keine doppelte Pflege
- Grenzen
- Höhere laufende Kosten und Einarbeitung, die Tafel folgt der Logik der Software
CRM- und Branchenprogramme wie HERO bilden die Phasen als Projektpipeline ab: Für jede Phase lassen sich Erinnerungen hinterlegen, und beim Statuswechsel bekommen die Zuständigen ihre Aufgaben automatisch. Weil Angebot, Auftrag und Rechnung im selben Programm entstehen, entfällt die doppelte Pflege. Andere Anbieter wie Plancraft verbinden Kalkulation und Rechnung mit einer Plantafel.
Kanban-Programme im Überblick
Diese vier Programme sind in Handwerksbetrieben verbreitet. Was hier Spalte heißt, nennt MeisterTask Abschnitt, Planner Bucket und Trello Liste.
MTMeisterTask
MeisterTask vom deutschen Anbieter Meister ist eine Kanban-Tafel mit frei benennbaren Spalten, die hier Abschnitte heißen. Die Daten liegen auf Servern in Deutschland. Mit Abschnittsaktionen lassen sich Spalten automatisieren: Wandert eine Karte hinein, kann MeisterTask sie zum Beispiel einer Person zuweisen, Tags ändern oder die Zeiterfassung starten. Die kostenlose Basic-Version ist auf drei Projekte begrenzt, Automationen gibt es ab der Pro-Version.
Besonders geeignet für: Betriebe, die eine schlanke, übersichtliche Tafel suchen und Wert auf Datenhaltung in Deutschland legen.
Vorteile
- Sehr übersichtlich und schnell erlernt
- Server in Deutschland, Vertrag zur Auftragsverarbeitung verfügbar
- Automationen je Spalte, etwa Zuweisung beim Spaltenwechsel
Nachteile
- Kostenlose Version auf drei Projekte begrenzt, Automationen erst in den Bezahlversionen
- Ein weiteres Programm neben E-Mail, Kalender und Auftragssoftware
- Keine Verbindung zu Angeboten und Rechnungen – der Status wird von Hand gepflegt
MPMicrosoft Planner mit Teams
Planner ist in den Business-Abos von Microsoft 365 enthalten und lässt sich als Registerkarte direkt in einen Teams-Kanal einbinden. Die Spalten heißen hier Buckets, Karten bekommen Zuständige, Fälligkeiten, Bezeichnungen, Checklisten und Anhänge. Benachrichtigungen kommen über Teams und Outlook. Zeitachsen mit Abhängigkeiten gibt es erst mit einer Premium-Lizenz.
Besonders geeignet für: Betriebe, die ohnehin mit Microsoft 365, Outlook und Teams arbeiten.
Vorteile
- In Microsoft 365 Business ohne Zusatzkosten enthalten
- Tafel, Chat und Dateien gemeinsam in Teams
- Ansichten als Tafel, Liste, Kalender und Diagramm
Nachteile
- Keine eingebauten Regeln für den Spaltenwechsel, Automatisierung nur über Power Automate
- Zeitachse mit Abhängigkeiten nur mit Premium-Lizenz
- Bewusst schlichter Funktionsumfang in den Basisplänen
TRTrello
Trello von Atlassian ist das bekannteste Kanban-Werkzeug: Listen sind die Spalten, Karten die Projekte. Mit der eingebauten Automatisierung Butler lassen sich Regeln anlegen – etwa: Wandert eine Karte in die Liste „Angeboten“, bekommt sie automatisch eine Checkliste und ein Fälligkeitsdatum. Die kostenlose Version reicht für bis zu zehn Personen pro Arbeitsbereich, mit begrenzter Zahl an Automatisierungen im Monat.
Besonders geeignet für: Kleine Teams, die schnell und kostenlos mit einer digitalen Tafel starten wollen.
Vorteile
- Sehr schneller Einstieg, kostenlos für kleine Teams
- Regeln für den Spaltenwechsel mit Butler, in der kostenlosen Version begrenzt
- Kartenvorlagen und viele Erweiterungen
Nachteile
- Anbieter außerhalb der EU: Datenstandort und Auftragsverarbeitung vorab prüfen
- Ab der elften Person kostenpflichtig für alle
- Zusätzliche Ansichten wie Zeitleiste und Tabelle nur in Bezahlversionen
ASAsana
Asana richtet sich an Teams, die Projekte genauer planen wollen: Neben der Tafel gibt es Listen-, Kalender- und Zeitleistenansicht sowie Regeln, die Aufgaben automatisch verschieben, zuweisen oder Personen benachrichtigen. Zeitleiste und Regeln gehören allerdings zu den Bezahlplänen, und der kostenlose Plan ist für neue Konten inzwischen auf sehr kleine Teams beschränkt.
Besonders geeignet für: Betriebe mit vielen parallelen Projekten, die auch Abhängigkeiten und Zeitachsen planen wollen.
Vorteile
- Tafel, Liste, Kalender und Zeitleiste für dieselben Projekte
- Leistungsfähige Regeln für wiederkehrende Abläufe
- Auch für viele parallele Projekte mit Abhängigkeiten geeignet
Nachteile
- Für die reine Statusverfolgung schnell überdimensioniert
- Wichtige Funktionen erst in den Bezahlplänen
- Anbieter außerhalb der EU: Datenstandort und Auftragsverarbeitung vorab prüfen
Unabhängige Einschätzung: Diese Übersicht ist eine unabhängige redaktionelle Recherche. Es gibt kein Sponsoring, keine Bezahlung und keine Provisionen durch die genannten Hersteller – Auswahl und Beschreibung beruhen auf frei zugänglichen Informationen der Anbieter.
So sieht das in Microsoft 365 aus
In sechs Schritten zur eigenen Plantafel
Ob Pinnwand oder Programm – die Einführung gelingt, wenn die Regeln vor dem Werkzeug stehen:
- 1
Phasen festlegen
Die Spalten bilden Phasen ab, nicht Personen oder Abteilungen. Die acht Phasen oben sind ein bewährter Rahmen. Wichtiger als ihre Zahl ist, dass jede Spalte eine klare Übergabe hat.
- 2
Regeln je Spalte aufschreiben
Für jede Spalte steht fest, wann eine Karte weiterwandert und bis wann. Die Regeln gehören in die Spaltenbeschreibung oder als Checkliste auf die Karte – nicht in den Kopf einzelner Kollegen.
- 3
Eine Musterkarte anlegen
Eine Vorlage mit allen Feldern und den Checklisten je Phase. Jedes neue Projekt entsteht als Kopie, damit alle Karten gleich aufgebaut sind.
- 4
Stichtag: alle laufenden Projekte übertragen
Auch Reparaturen, Kleinaufträge und offene Angebote. Ab dem Stichtag gilt: Was nicht auf der Tafel steht, wird nicht bearbeitet.
- 5
Zuständige und Benachrichtigungen einrichten
Jede Karte hat genau eine verantwortliche Person. Fälligkeiten lösen Erinnerungen aus, damit niemand täglich die ganze Tafel durchsehen muss.
- 6
Jede Woche gemeinsam draufschauen
Eine kurze Runde zum Wochenstart: überfällige Karten, Montagetermine der nächsten zwei Wochen, Engpässe in AV und Werkstatt. Nach etwa vier Wochen Spalten, Regeln und Fristen nachschärfen.
Kennzahlen aus der Plantafel
Wenn jede Anfrage angelegt wird und jede Karte ihren Weg nimmt, liefert die Tafel nebenbei Zahlen, mit denen sich der Betrieb steuern lässt:
Kennzahl
Auftragsquote
- So wird sie ermittelt
- Erteilte Aufträge geteilt durch verschickte Angebote
- Was sie zeigt
- Ob die Angebote treffen – nach Kundengruppe oder Produkt getrennt noch aussagekräftiger
Kennzahl
Angebotsdauer
- So wird sie ermittelt
- Tage von der Anfrage bis zum verschickten Angebot
- Was sie zeigt
- Ob Anfragen liegen bleiben
Kennzahl
Durchlaufzeit
- So wird sie ermittelt
- Wochen vom Auftrag bis zur Montage
- Was sie zeigt
- Welche Lieferzeit sich Kunden verlässlich zusagen lässt
Kennzahl
Termintreue
- So wird sie ermittelt
- Anteil der Montagen, die am zugesagten Termin stattfinden
- Was sie zeigt
- Ob Planung und Kapazität zusammenpassen
Kennzahl
Nacharbeitsquote
- So wird sie ermittelt
- Anteil der Projekte, die durch die Spalte Nacharbeiten laufen
- Was sie zeigt
- Wo Fehler entstehen: im Aufmaß, in der AV, in der Werkstatt oder bei der Montage
Kennzahl
Rechnungsverzug
- So wird sie ermittelt
- Tage von der Abnahme bis zur Rechnung
- Was sie zeigt
- Wie lange Geld unnötig ausbleibt
Die häufigsten Stolpersteine
Eine Plantafel scheitert selten am Programm, sondern an der Pflege. Diese Fehler kommen am häufigsten vor:
| Stolperstein | Abhilfe |
|---|---|
| Kleinaufträge laufen nebenbei | Auch Reparaturen anlegen, mit kurzer Checkliste – sonst fehlen sie in Kapazität und Rechnung. |
| Die Tafel ist nicht aktuell | Karten sofort verschieben, wenn ein Schritt erledigt ist, und den Stand in der Wochenrunde prüfen. |
| Zu viele Spalten | Nur Phasen mit klarer Übergabe anlegen, Details gehören in die Checklisten. |
| Karten ohne Verantwortlichen | Jede Karte bekommt genau eine zuständige Person, auch wenn mehrere daran arbeiten. |
| Alles doppelt gepflegt | Ein System führt: Läuft die Tafel in der Auftragssoftware, entfallen Zettel und zweite Listen. |
| Die Rechnung bleibt liegen | Rechnungsspalte mit fester Frist, Nacharbeiten mit Termin je Punkt. |
Vorlagen für die Projektplanung
Es geht auch ohne Software: Die Projektübersicht A3 ist die Plantafel zum Ausdrucken – eine Zeile je Kunde, die acht Phasen mit Frist und Erledigungsdatum. In der Excel-Fassung rechnet sie die aktuelle Phase selbst aus und markiert überfällige Fristen. Dazu kommen Terminplan und Urlaubsplaner für Meilensteine und Abwesenheiten.



Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Projektplanung und Arbeitsvorbereitung?
Die Projektplanung behält alle Aufträge im Blick: Sie zeigt, in welcher Phase jedes Projekt steht, und stimmt Termine und Kapazitäten über alle Aufträge hinweg ab. Die Arbeitsvorbereitung bereitet einen einzelnen Auftrag technisch vor – mit Plänen, Stücklisten und Materialbestellung. Auf der Plantafel ist sie eine der acht Phasen.
Muss wirklich jede Anfrage angelegt werden?
Ja – auch Reparaturen, Kleinaufträge und Anfragen, aus denen am Ende nichts wird. Nur so gehen keine Rückrufe verloren, und Kennzahlen wie die Auftragsquote stimmen. Für Kleinaufträge reicht eine Karte mit wenigen Feldern. Sie durchläuft dieselben Spalten, oft innerhalb weniger Tage.
Was passiert mit Angeboten, die nicht beauftragt werden?
Nicht löschen, sondern mit Absagegrund archivieren: zu teuer, Termin passt nicht, anderer Anbieter, Projekt verschoben. Nach einigen Monaten zeigen die Gründe, wo Angebote nachgeschärft werden müssen – und verschobene Projekte lassen sich später wieder aufnehmen.
Warum verschwindet ein Projekt mit der Rechnung von der Tafel?
Die Tafel zeigt nur, was noch Arbeit macht. Ist die Rechnung gestellt, kümmert sich die Buchhaltung um den Zahlungseingang und gegebenenfalls das Mahnwesen. Im Archiv bleibt das Projekt mit allen Unterlagen auffindbar – für die Nachkalkulation, Folgeaufträge und spätere Mängelanzeigen.
Muss die Schlussrechnung warten, bis alle Nacharbeiten erledigt sind?
Rechtlich nicht unbedingt: Kleine Mängel verhindern die Abnahme nicht (§ 640 BGB). Der Kunde darf aber einen angemessenen Teil der Vergütung zurückhalten, bis sie beseitigt sind – in der Regel das Doppelte der Kosten für die Beseitigung (§ 641 BGB). Viele Betriebe stellen die Schlussrechnung deshalb direkt nach den Nacharbeiten. Damit sie nicht liegen bleibt, bekommt jeder offene Punkt einen Termin.
Welches Programm eignet sich für den Einstieg?
Wer ohnehin Microsoft 365 nutzt, hat mit Planner und Teams alles Nötige ohne Zusatzkosten. Wer Wert auf Server in Deutschland legt, ist mit MeisterTask gut bedient, für kleine Teams ist Trello kostenlos startklar. Laufen Angebote und Rechnungen bereits in einer Branchensoftware mit Projektpipeline, gehört die Tafel dorthin – sonst wird jeder Status doppelt gepflegt.
Was ist beim Datenschutz zu beachten?
Auf den Karten stehen Namen, Adressen und Telefonnummern, also personenbezogene Daten. Mit dem Anbieter ist deshalb ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO nötig, außerdem lohnt der Blick auf den Serverstandort. Mitarbeitende arbeiten mit Zugängen des Betriebs, nicht mit privaten Konten.
Braucht es zusätzlich eine Plantafel in der Werkstatt?
Nicht unbedingt. Bewährt hat sich ein großer Bildschirm in der Werkstatt, der die digitale Tafel zeigt. So sehen alle denselben Stand, und nichts wird doppelt gepflegt.
Lehrzettel-Serie „Auftragsabwicklung“
Ab wann bindet dich ein Angebot? Ist die Auftragsbestätigung nur Formsache? In zehn kurzen E-Mails gehen wir die Dokumente eines Auftrags durch – vom Angebot über Rechnung und Mahnung bis zur Stornorechnung, jeweils mit den wichtigsten rechtlichen Grundlagen.
Alle zehn Ausgaben ansehenWeiterführend
Die Stunden für die Kapazitätsplanung liefert die Auftragskalkulation, wie Kunden in jeder Phase gut informiert bleiben, zeigt die Kundenkommunikation. Rund um Abnahme, Rechnung und Zahlungseingang helfen die Artikel zu Gewährleistung und Mängelhaftung, E-Rechnung und Mahnverfahren, Fragen zu Cloud-Programmen und Kundendaten der Artikel zu Datenschutz und DSGVO.