schreiner.digitalschreiner.digital – Startseite
← Oberflächen

DD-Lack

Lacke· 2K-PU-Lack
2-Komponenten-LackPolyurethanlackPU-Lack
DD-Lack

DD-Lack ist ein Zweikomponenten-Lack auf Polyurethanbasis und gehört zu den widerstandsfähigsten Möbellacken. Der Name geht auf Bayer zurück: Die beiden Komponenten hießen Desmodur (Härter) und Desmophen (Stammlack). Wie „Tempo“ bei Taschentüchern ist der Markenname im Handwerk zum Begriff für 2K-PU-Lacke allgemein geworden.

Zusammensetzung

DD-Lack besteht aus zwei getrennt gelieferten Komponenten: dem Stammlack auf Polyol-Basis und dem Härter auf Isocyanat-Basis. Erst kurz vor der Verarbeitung werden sie im vorgeschriebenen Verhältnis gemischt. Danach beginnt eine chemische Reaktion, die den Lack nach der Topfzeit unbrauchbar macht und auf der Fläche zu einem harten, vernetzten Film aushärten lässt.

Musterbrett mit DD-Lack und vergrößerter Querschnitt: Holzzellen, Füller und Decklack
Unter der Lupe. Links das Musterbrett, links roh, rechts lackiert. Die Lupe zeigt einen stark vergrößerten Schnitt quer zur Faser an der markierten Stelle: ① Holz, ② Grundierung oder Füller, der die Poren weitgehend füllt und nach dem Trocknen geschliffen wird, ③ Decklack. DD-Lack baut schon mit wenigen Schichten einen dicken, geschlossenen Film auf. Schichtdicken schematisch.

Eigenschaften

  • Nach dem Aushärten sehr widerstandsfähig gegen Wasser, Alkohol, Fett und viele Haushaltsmittel – beständiger als Nitrolack und 1K-Wasserlack.
  • Die Topfzeit verlangt Planung: Angemischter Lack muss innerhalb weniger Stunden verarbeitet sein, sonst härtet er im Becher aus.
  • Für Möbeloberflächen gibt es Prüfungen nach DIN 68861, etwa Teil 1 zur Beständigkeit gegen Chemikalien. Hersteller geben an, welche Beanspruchungsgruppe ihr Lack erreicht.
  • Der Härter enthält Isocyanate, die die Atemwege reizen und Allergien auslösen können. Beim Spritzen braucht es Absaugung und Atemschutz.
  • Seit dem 24. August 2023 dürfen Produkte mit mehr als 0,1 % Diisocyanaten im Betrieb nur nach einer Schulung verarbeitet werden; sie ist alle fünf Jahre zu wiederholen.

Verwendung

  • Stark beanspruchte Möbel: Tischplatten, Küchenfronten, Ladenbau, Objekteinrichtung
  • Hochglanzoberflächen und Klavierlack-Optik
  • Musikinstrumente
  • Überall, wo Beständigkeit gegen Chemikalien und Abrieb Vorrang hat

Verarbeitung

  • Mischungsverhältnis exakt nach Herstellerangabe einhalten, je nach Produkt nach Gewicht oder Volumen.
  • Nur so viel anmischen, wie in der Topfzeit verarbeitet werden kann.
  • Meist gespritzt, in mehreren dünnen Schichten mit Zwischenschliff; es gibt auch Qualitäten zum Rollen und Streichen.
  • Werkzeug und Spritzpistole sofort reinigen – ausgehärteter Lack lässt sich kaum noch entfernen.

Anleitung: DD-Lack mischen und auftragen

Vom Anmischen bis zum Decklack

  1. 1

    Fläche vorbereiten

    Bis etwa Körnung 180 schleifen, entstauben, bei Bedarf entfetten.

  2. 2

    Anmischen

    Stammlack und Härter im Messbecher oder auf der Waage im angegebenen Verhältnis mischen, gründlich verrühren, bei Bedarf mit dem passenden Verdünner einstellen. Die Topfzeit läuft ab jetzt.

  3. 3

    Grundieren

    Grundierung oder Füller auftragen und durchtrocknen lassen.

  4. 4

    Zwischenschliff

    Mit Körnung 240–320 glatt schleifen und entstauben.

  5. 5

    Decklack

    Decklack dünn und gleichmäßig spritzen. Volle Belastbarkeit erst nach einigen Tagen.

Technische Daten

Namevon Desmodur (Härter) und Desmophen (Stammlack), Markennamen von Bayer
KomponentenStammlack (Polyol) plus Härter (Isocyanat)
Topfzeitbegrenzt, je nach Produkt einige Stunden nach dem Mischen
Beständigkeitsehr hoch gegen Wasser, Chemikalien und Abrieb
Trocknungchemische Vernetzung, voll belastbar nach einigen Tagen
ArbeitsschutzDiisocyanate: seit 24.08.2023 Schulung Pflicht, wenn der Gehalt über 0,1 % liegt

Fazit

DD-Lack bietet die höchste Beständigkeit unter den gängigen Möbellacken, verlangt aber sorgfältiges Mischen, Planung der Topfzeit und konsequenten Arbeitsschutz. Für weniger beanspruchte Flächen ist Wasserlack die emissionsärmere Alternative.