Wasserlack ersetzt die organischen Lösemittel klassischer Lacke durch Wasser. Das senkt die Emissionen flüchtiger organischer Stoffe (VOC) deutlich und macht die Verarbeitung geruchsärmer. Für die meisten Möbel und den Innenausbau ist Wasserlack heute die Standardlösung.
Zusammensetzung
Das Lackharz – meist Acrylat, Polyurethan oder eine Mischung – liegt in feinen Tröpfchen im Wasser verteilt (Dispersion). Beim Trocknen verdunstet erst das Wasser, dann fließen die Harzteilchen zu einem geschlossenen Film zusammen. Dieser Vorgang reagiert empfindlicher auf Temperatur und Luftfeuchte als bei Lösemittellacken.
Es gibt Wasserlacke als 1K-Lack (gebrauchsfertig) und als 2K-Lack, dem vor der Verarbeitung ein Härter zugegeben wird. 2K-Wasserlacke sind deutlich widerstandsfähiger und werden für stark beanspruchte Flächen wie Tischplatten und Küchenfronten eingesetzt.

Eigenschaften
- Deutlich geringere Lösemittelemissionen – angenehmer beim Arbeiten und in bewohnten Räumen.
- Vergilbt kaum. Helle und weiß lackierte Oberflächen bleiben lange hell.
- Das Wasser lässt die Holzfaser aufquellen; nach der ersten Schicht ist ein Zwischenschliff nötig. Wer vorher wässert und nachschleift, nimmt einen Teil davon vorweg.
- Kälte und hohe Luftfeuchte verzögern die Filmbildung. Unter etwa 10–15 °C oder nach Frost im Gebinde kann der Film unvollständig bleiben.
- Werkzeug lässt sich mit Wasser reinigen, solange der Lack nicht angetrocknet ist.
- Für Möbeloberflächen gibt es Prüfungen nach DIN 68861, etwa Teil 1 zur Beständigkeit gegen Chemikalien. Hersteller geben an, welche Beanspruchungsgruppe ihr Lack erreicht.
Verwendung
- Möbel, Fronten und Innenausbau im Wohnbereich
- Kindermöbel und Spielzeug mit entsprechend geprüftem Lack
- Weiß und hell lackierte Fronten, die nicht vergilben sollen
- Tischplatten und Küchenfronten mit 2K-Wasserlack
Verarbeitung
- Raum- und Materialtemperatur im vom Hersteller angegebenen Bereich halten, Luftfeuchte nicht zu hoch.
- Lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke – dicke Schichten neigen zu Läufern und trocknen ungleichmäßig.
- Zwischenschliff mit feinem Schleifpapier oder Schleifvlies, Staub gründlich entfernen.
- Bei 2K-Wasserlack das Mischungsverhältnis und die Topfzeit einhalten.
Anleitung: Wasserlack auftragen
Möbelfläche lackieren
- 1
Schleifen
Die Fläche in Stufen bis etwa Körnung 180 schleifen und gründlich entstauben.
- 2
Wässern (optional)
Mit einem feuchten Schwamm wässern, trocknen lassen und die aufgestellten Fasern mit 180er oder 240er Körnung brechen.
- 3
Grundieren
Grundierung oder die erste Lackschicht dünn auftragen und trocknen lassen.
- 4
Zwischenschliff
Mit Körnung 240–320 oder Schleifvlies leicht anschleifen, bis die Fläche glatt ist. Staub entfernen.
- 5
Decklack
Eine oder zwei Lackschichten auftragen, dazwischen erneut leicht anschleifen. Voll belastbar ist die Fläche erst nach einigen Tagen.
Technische Daten
| Bindemittel | Acrylat- oder Polyurethan-Dispersion, als 1K-Lack oder als 2K-Lack mit Härter |
|---|---|
| Lösemittel | überwiegend Wasser, nur wenig organische Lösemittel |
| Trocknung | überlackierbar meist nach 2–4 Std. (Herstellerangabe beachten) |
| Verarbeitung | nicht unter etwa 10–15 °C, Gebinde frostfrei lagern |
| Vergilbung | gering – helle und weiße Oberflächen bleiben hell |
| Besonderheit | stellt die Holzfaser auf – Zwischenschliff nach der ersten Schicht |
Fazit
Wasserlack ist für die meisten Möbel im Innenbereich die emissionsarme und inzwischen gleichwertige Alternative zu Lösemittellacken. Für sehr stark beanspruchte Flächen bietet sich 2K-Wasserlack oder DD-Lack an, für den Außenbereich Bootslack oder eine Lasur.
