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Bohr- und Dübeltechnik

Bohr-, Schleif- und Kantentechnik
ReihenbohrmaschineMehrspindelbohrmaschineDübelbohrmaschine
Bohr- und Dübeltechnik

Ob einzelne Dübellöcher, eine komplette Bohrreihe für Regalbodenträger oder die 35-mm-Topfbohrung für ein Scharnier: Präzise Bohrtechnik entscheidet direkt darüber, ob Beschläge später spannungsfrei und exakt sitzen. Anders als beim Sägen oder Fräsen zählt hier vor allem die Wiederholgenauigkeit der Lochabstände.

Aufbau

Die einfachste Bauform ist die Ständer- oder Tischbohrmaschine mit einer einzelnen, in der Höhe verfahrbaren Spindel. Für Serienarbeiten kommen Reihenbohrmaschinen mit mehreren, im 32-mm-Abstand angeordneten Spindeln zum Einsatz – sie bohren eine ganze Lochreihe in einem Hub. Dübelbohrmaschinen und Topfbohrmaschinen (Beschlagbohrmaschinen) sind auf die üblichen Durchmesser und Tiefen voreingestellt; im Betrieb mit CNC übernimmt das Bearbeitungszentrum diese Bohrungen.

Korpusseite mit zwei Lochreihen, Dübel und Bodenträgern, daneben eine Tür mit Topfbohrung
Bohrbild im 32-mm-System. Links eine Korpusseite, rechts eine Tür: ① Lochreihe Ø 5 mm im 32-mm-Raster, die vordere 37 mm von der Vorderkante, ② Dübelbohrung Ø 8 mm mit Dübel für den Oberboden, ③ Topfbohrung Ø 35 mm mit zwei Bohrungen für die Einpressdübel des Scharniers, ④ Bodenträger in der Lochreihe.

Bohrer im Überblick

Ob ein Loch sauber wird, entscheidet vor allem die Spitze. Vorschneider am Umfang ritzen die Holzfasern an, bevor die Hauptschneiden den Span abheben – der Lochrand franst dann nicht aus. Die Zentrierspitze hält den Bohrer beim Anbohren auf der Stelle. Bohrer für Bohraggregate und CNC gibt es rechts- und linksdrehend, weil benachbarte Spindeln im Bohrkopf gegenläufig drehen; sie sind deshalb meist farblich oder per Buchstabe gekennzeichnet.

Bohrer

Holzspiralbohrer

Spitze
Zentrierspitze, zwei Vorschneider
Durchmesser
ca. 3–20 mm
Einsatz
Hand- und Ständerbohrmaschine, saubere Lochränder in Massivholz und Platte

Bohrer

Dübellochbohrer

Spitze
flach, Zentrierspitze, Vorschneider
Durchmesser
meist 5, 8, 10 mm
Einsatz
Sacklöcher mit flachem Grund an Bohraggregat und CNC, Länge meist 57 oder 70 mm

Bohrer

Durchgangsbohrer

Spitze
Kegelspitze
Durchmesser
meist 5, 8 mm
Einsatz
Durchgangslöcher an Bohraggregat und CNC, weniger Ausriss auf der Rückseite

Bohrer

Topfband- und Forstnerbohrer

Spitze
Zentrierspitze, Umfangsschneide
Durchmesser
ca. 15–40 mm, Topf 35 mm
Einsatz
flache, glatte Sacklöcher, Scharniertöpfe, Beschlagaussparungen

Bohrer

Stufenbohrer Konfirmat

Spitze
Ø 5 und Ø 7 mm mit Senkung
Durchmesser
5/7 mm
Einsatz
durch die Seite und in die Kante des Gegenstücks in einem Gang, im zusammengesetzten Korpus

Bohrer

Kegelsenker

Spitze
90°, mehrschneidig
Durchmesser
ca. 10–20 mm
Einsatz
Senkung für Senkkopfschrauben

Ein HSS-Spiralbohrer für Metall mit 118°-Spitze bohrt zwar auch Holz, reißt aber den Lochrand aus und verläuft leicht – für sichtbare Löcher im Holz ungeeignet.

Eigenschaften

  • Das 32-mm-System hat sich für Korpusbohrungen durchgesetzt: Regalbodenträger, Montageplatten von Topfscharnieren und viele Verbinder nutzen dieselben Lochreihen.
  • Bei Dübelverbindungen entscheidet die Fluchtung der Bohrungen beider Werkstücke über die Passgenauigkeit – schon 1 mm Versatz erschwert die Verleimung.
  • Topfbohrungen brauchen eine genaue Tiefe; zu tief, und bei dünnen Fronten zeichnet sich die Bohrung auf der Sichtseite ab.
  • Anschlaglineale und Bohrschablonen ersetzen bei Einzelstücken die Reihenbohrmaschine und liefern trotzdem reproduzierbare Lochabstände.

Verwendung

  • Dübelverbindungen für Rahmen, Korpusse und Fügestellen
  • Lochreihen für höhenverstellbare Regalböden
  • Topfbohrungen für Scharniere und Bohrungen für Montageplatten
  • Vorbohrungen für Konfirmatschrauben und andere Verbindungsbeschläge

Verarbeitung

  • Bohrschablonen und Anschläge vor der ersten Bohrung an einem Reststück prüfen.
  • Bei Dübelverbindungen beide Teile mit derselben Schablone und derselben Bezugskante bohren, statt Maße zu übertragen.
  • Bohrtiefe immer über einen Tiefenanschlag einstellen, besonders bei dünnen Fronten.
  • Auf saubere Späneabfuhr achten – zugesetzte Bohrer erzeugen ausgefranste Lochränder.

Anleitung: Lochreihe mit der Schablone bohren

Lochreihe für Regalbodenträger

  1. 1

    Bezugskanten festlegen

    Vorderkante und Unterkante jeder Korpusseite markieren – alle Seiten werden von denselben Kanten aus gebohrt.

  2. 2

    Schablone anlegen

    Bohrschablone an der Vorderkante auf 37 mm einstellen und an der Unterkante ausrichten.

  3. 3

    Tiefe einstellen

    Bohrer Ø 5 mm mit Tiefenstopp verwenden, die Tiefe nach Bodenträger und Plattendicke wählen.

  4. 4

    Bohren

    Alle Löcher der Reihe bohren, dann die zweite Reihe. Die Gegenseite spiegelbildlich von denselben Bezugskanten aus bohren, damit die Böden waagerecht liegen.

Technische Daten

Lochreihe (System 32)Ø 5 mm im 32-mm-Raster, vordere Reihe 37 mm von der Vorderkante
ReihenbohrmaschineBohrspindeln im 32-mm-Abstand, z. B. 21 Spindeln
Dübelbohrungenmeist Ø 8 mm, auch 6 oder 10 mm
TopfbohrungØ 35 mm, meist 11–13 mm tief, 3–6 mm vom Türrand
Drehzahl Ständerbohrmaschineca. 300–3.000 U/min

Fazit

Bohrtechnik wirkt unspektakulär, ist aber die stille Voraussetzung für jede Beschlagmontage – wer sich konsequent am 32-mm-Raster orientiert, spart sich beim Nachrüsten und Kombinieren verschiedener Beschläge viel Mehraufwand.