Ob einzelne Dübellöcher, eine komplette Bohrreihe für Regalbodenträger oder die 35-mm-Topfbohrung für ein Scharnier: Präzise Bohrtechnik entscheidet direkt darüber, ob Beschläge später spannungsfrei und exakt sitzen. Anders als beim Sägen oder Fräsen zählt hier vor allem die Wiederholgenauigkeit der Lochabstände.
Aufbau
Die einfachste Bauform ist die Ständer- oder Tischbohrmaschine mit einer einzelnen, in der Höhe verfahrbaren Spindel. Für Serienarbeiten kommen Reihenbohrmaschinen mit mehreren, im 32-mm-Abstand angeordneten Spindeln zum Einsatz – sie bohren eine ganze Lochreihe in einem Hub. Dübelbohrmaschinen und Topfbohrmaschinen (Beschlagbohrmaschinen) sind auf die üblichen Durchmesser und Tiefen voreingestellt; im Betrieb mit CNC übernimmt das Bearbeitungszentrum diese Bohrungen.

Bohrer im Überblick
Ob ein Loch sauber wird, entscheidet vor allem die Spitze. Vorschneider am Umfang ritzen die Holzfasern an, bevor die Hauptschneiden den Span abheben – der Lochrand franst dann nicht aus. Die Zentrierspitze hält den Bohrer beim Anbohren auf der Stelle. Bohrer für Bohraggregate und CNC gibt es rechts- und linksdrehend, weil benachbarte Spindeln im Bohrkopf gegenläufig drehen; sie sind deshalb meist farblich oder per Buchstabe gekennzeichnet.
Bohrer
Holzspiralbohrer
- Spitze
- Zentrierspitze, zwei Vorschneider
- Durchmesser
- ca. 3–20 mm
- Einsatz
- Hand- und Ständerbohrmaschine, saubere Lochränder in Massivholz und Platte
Bohrer
Dübellochbohrer
- Spitze
- flach, Zentrierspitze, Vorschneider
- Durchmesser
- meist 5, 8, 10 mm
- Einsatz
- Sacklöcher mit flachem Grund an Bohraggregat und CNC, Länge meist 57 oder 70 mm
Bohrer
Durchgangsbohrer
- Spitze
- Kegelspitze
- Durchmesser
- meist 5, 8 mm
- Einsatz
- Durchgangslöcher an Bohraggregat und CNC, weniger Ausriss auf der Rückseite
Bohrer
Topfband- und Forstnerbohrer
- Spitze
- Zentrierspitze, Umfangsschneide
- Durchmesser
- ca. 15–40 mm, Topf 35 mm
- Einsatz
- flache, glatte Sacklöcher, Scharniertöpfe, Beschlagaussparungen
Bohrer
Stufenbohrer Konfirmat
- Spitze
- Ø 5 und Ø 7 mm mit Senkung
- Durchmesser
- 5/7 mm
- Einsatz
- durch die Seite und in die Kante des Gegenstücks in einem Gang, im zusammengesetzten Korpus
Bohrer
Kegelsenker
- Spitze
- 90°, mehrschneidig
- Durchmesser
- ca. 10–20 mm
- Einsatz
- Senkung für Senkkopfschrauben
Ein HSS-Spiralbohrer für Metall mit 118°-Spitze bohrt zwar auch Holz, reißt aber den Lochrand aus und verläuft leicht – für sichtbare Löcher im Holz ungeeignet.
Eigenschaften
- Das 32-mm-System hat sich für Korpusbohrungen durchgesetzt: Regalbodenträger, Montageplatten von Topfscharnieren und viele Verbinder nutzen dieselben Lochreihen.
- Bei Dübelverbindungen entscheidet die Fluchtung der Bohrungen beider Werkstücke über die Passgenauigkeit – schon 1 mm Versatz erschwert die Verleimung.
- Topfbohrungen brauchen eine genaue Tiefe; zu tief, und bei dünnen Fronten zeichnet sich die Bohrung auf der Sichtseite ab.
- Anschlaglineale und Bohrschablonen ersetzen bei Einzelstücken die Reihenbohrmaschine und liefern trotzdem reproduzierbare Lochabstände.
Verwendung
- Dübelverbindungen für Rahmen, Korpusse und Fügestellen
- Lochreihen für höhenverstellbare Regalböden
- Topfbohrungen für Scharniere und Bohrungen für Montageplatten
- Vorbohrungen für Konfirmatschrauben und andere Verbindungsbeschläge
Verarbeitung
- Bohrschablonen und Anschläge vor der ersten Bohrung an einem Reststück prüfen.
- Bei Dübelverbindungen beide Teile mit derselben Schablone und derselben Bezugskante bohren, statt Maße zu übertragen.
- Bohrtiefe immer über einen Tiefenanschlag einstellen, besonders bei dünnen Fronten.
- Auf saubere Späneabfuhr achten – zugesetzte Bohrer erzeugen ausgefranste Lochränder.
Anleitung: Lochreihe mit der Schablone bohren
Lochreihe für Regalbodenträger
- 1
Bezugskanten festlegen
Vorderkante und Unterkante jeder Korpusseite markieren – alle Seiten werden von denselben Kanten aus gebohrt.
- 2
Schablone anlegen
Bohrschablone an der Vorderkante auf 37 mm einstellen und an der Unterkante ausrichten.
- 3
Tiefe einstellen
Bohrer Ø 5 mm mit Tiefenstopp verwenden, die Tiefe nach Bodenträger und Plattendicke wählen.
- 4
Bohren
Alle Löcher der Reihe bohren, dann die zweite Reihe. Die Gegenseite spiegelbildlich von denselben Bezugskanten aus bohren, damit die Böden waagerecht liegen.
Technische Daten
| Lochreihe (System 32) | Ø 5 mm im 32-mm-Raster, vordere Reihe 37 mm von der Vorderkante |
|---|---|
| Reihenbohrmaschine | Bohrspindeln im 32-mm-Abstand, z. B. 21 Spindeln |
| Dübelbohrungen | meist Ø 8 mm, auch 6 oder 10 mm |
| Topfbohrung | Ø 35 mm, meist 11–13 mm tief, 3–6 mm vom Türrand |
| Drehzahl Ständerbohrmaschine | ca. 300–3.000 U/min |
Fazit
Bohrtechnik wirkt unspektakulär, ist aber die stille Voraussetzung für jede Beschlagmontage – wer sich konsequent am 32-mm-Raster orientiert, spart sich beim Nachrüsten und Kombinieren verschiedener Beschläge viel Mehraufwand.
